Wenn Yu-Chien über seine Verwandtschaft spricht, versinkt Petra in tiefes Grübeln...“ Petra rafft sich aber zum Glück wieder auf und leistet beredt das Ihre, um im Duett mit Yu-Chien das Hohelied einer deutsch-chinesischen Kulturehe zu singen.

Als Autorenpaar des „Kultur-Knigge China“ (von Kuan Yu-Chien und Petra Häring-Kuan; Edition Simon & Magiera im Hayit Verlag, Köln; 29,80 DM) sind sie die Wanderer zwischen den Welten und reden von sich selber in der dritten Person wie Kleinkinder auf der Suche nach dem Ich. So befremdlich diese Unbeholfenheit wirken mag – sie wird schließlich zur Gewohnheitssache. Dabei fällt mancher Schlenker trockenen Humors ab, den die Hamburgerin Petra Häring und ihr aus Shanghai gebürtiger Mann Yu-Chien Kuan für ihren anekdotengesättigten Zwillingsknigge gut brauchen können.

Er ist weniger ein „Benimm“- als ein „Versteh“-Buch, mit Querbeet-Plaudereien über alles und jedes, von der politischen Geschichte über die Familie bis hin zu den Eß- und Spucksitten. Die Lektüre hinterläßt das Gefühl „deutsch-chinesisches Wochenende mit weitgereisten Freunden“: prall und bunt, locker und undogmatisch. Das Buch als ein Knigge ohne Knickerigkeit. Es ist zwar alles ein bißchen Kraut und Rüben, aber so ist das Leben ja auch, und das chinesische anscheinend erst recht. Fledermausartig huscht der Gedanke über die Hand, die das Buch zuklappt, man brauche kaum selber zu reisen, es genüge, sich mit chinesischen Emigranten hierzulande zu treffen, und man wisse schon vorher: Chinesen, so viel von ihrer „Fremdheit“ die Rede sein mag, sind auch bloß Menschen.

Überhaupt hat der Buchtypus „Kultur-Knigge“ aus der Edition Simon & Magiera einiges für sich: Er wäre nicht nur für Touristen gut, sondern ebenso für die Zurückgebliebenen, für uns alle, die wir verständnisvoll mit unseren zugewanderten Fremden leben wollen. Oder umgekehrt: ein Deutschenknigge für jene, damit ihnen diese Deutschen nicht so fremd bleiben. Uwe Herms