Gewonnen hat er, haushoch gar, der iranische Staatspräsident Haschemi Rafsandschani. Seine Anhänger, die sich – weil Parteien im Land verboten sind – „Gesellschaft der kämpferischen Kirchenmänner“ nennen, haben die bisherige Mehrheit der Radikalen, die den Namen „Gesellschaft der militanten Kirchenmänner“ führen, gebrochen.

Doch zum Triumph dürfte Rafsandschanis Wahlsieg gleichwohl nicht geraten: Erstens weiß er sehr wohl, daß der Urnengang alles andere als frei und fair verlief. Zweitens blieben – je nachdem, wessen Angaben man traut – zwischen knapp fünfzig und gut achtzig Prozent der Wahlberechtigten zu Hause. Drittens könnte die Parlamentsmehrheit dem Staatschef viel Verdruß bereiten.

Die Zeiten sind nun vorbei, in denen sich die Machthaber mit dem Argument herausreden konnten, der wirtschaftliche Aufschwung komme allein deshalb nicht in Gang, weil die religiösen Falken in der Madschlis, dem Parlament, jegliche Neuerung abblockten. Die verelendeten Massen im Iran verlangen immer nachdrücklicher eine Besserung ihrer Lebensumstände.

Auch zur Rechtfertigung für außenpolitische Eskapaden des Irans wird Rafsandschani fortan die radikale Madschlis-Mehrheit abgehen. Der Westen kann nun mit noch mehr Nachdruck als bisher von ihm verlangen, dem Erbe Chomeinis abzuschwören. Will Teheran wirtschaftliche Zusammenarbeit, kann es nicht länger Israels Tilgung von der Weltkarte als Staatsziel verfolgen, seine Maulhelden „Tod Amerika!“ skandieren lassen, Todesschwadronen gegen Oppositionelle im Exil ausschicken und den Mordbefehl gegen den Schriftsteller Salman Rushdie aufrechterhalten. Nun führt Rafsandschani unbestreitbar die Zügel in Persien, nun muß Druck auf ihn erfolgen, damit er den Iran wieder zu einem ehrbaren Mitglied der Staatengemeinschaft macht.

Die Iraner selbst scheinen, wie die klägliche Wahlbeteiligung signalisiert, wenig Vertrauen in eine bazsazi, eine iranische Perestrojka zu haben. Ihr Land bleibt auch weiterhin eine Theokratie, wenn auch vielleicht eine mit etwas menschlicherem Antlitz. Dafür hat sich die wählende Minderheit an den Wahlurnen mehrheitlich ausgesprochen. Sie hat das kleinere Übel gewählt – getreu dem persischen Sprichwort: „In der Hölle gibt es derart giftige Skorpione, daß man mit den Giftschlangen noch ganz gut bedient ist.“ F.G.