Wichtige Gewebeproben lassen sich jetzt unblutig gewinnen

Von Hans Harald Bräutigam

Zur Diagnose eines Brustkrebses gehört im Prinzip nicht viel: Ist ein Knoten tastbar, dann genügen Gewebeentnahme durch eine kleine Operation und die feingewebliche Untersuchung durch den Pathologen, um einen Krebsverdacht im schlimmsten Fall zu erhärten oder im häufigeren Fall zu verwerfen.

Doch die hierzu nötige Ausschneidung des Gewebes ist aus operationstechnischen Gründen immer mit einem beachtlichen Eingriff verbunden. Deshalb ist die sogenannte Excisionsbiopsie eine zwar einfache, aber für die Patientin oft unangenehme Angelegenheit. Sie muß auf den Operationstisch, braucht eine Narkose und behält eine Narbe zurück, die nicht immer so glatt heilt, wie man dies erhofft. In Deutschland unterziehen sich jährlich über 150 000 Frauen diesem notwendigen Eingriff. Denn nur die frühzeitige Erkennung des Brustkrebses verspricht Heilung von einem Leiden, mit dem fast jedes neunte neugeborene Mädchen im Laufe seines Lebens rechnen muß.

Nun kommt aus den Vereinigten Staaten eine gute Nachricht: Der Eingriff läßt sich mit einem neuen Gerät wesentlich schonender für die Patientin, billiger für die Krankenkassen, aber auch einfacher für den Mediziner vornehmen.

Denn häufig ist ein Brustknoten gar nicht zu fühlen, sondern bei Vorsorgeuntersuchungen ist mit Hilfe der Mammographie nur ein verdächtiger Bezirk beispielsweise durch kleinste Kalkeinlagerungen oder strahlige Bindegewebszüge im Röntgenbild sichtbar. Dann wird es schwierig, diesen beim Eingriff tatsächlich auch zu finden. Ein Verdacht muß immer durch Gewebeuntersuchungen gesichert sein, bevor folgenschwere Konsequenzen fällig sind. Aber die operative Gewebeentnahme wird dann leider zu einem unsicheren Schritt, wenn es nicht gelingt, den im Röntgenbild zwar sichtbaren, aber eben nicht tastbaren Bezirk auch bei der Operation zu finden.

Oft, so beschreibt es der Kölner Experte für Früherkennung, der Röntgenologe Professor Walter Hoeffken, finde der Arzt bei der Operation das verdächtige Gewebe gar nicht. „In dem kleinen Einschnitt und der entstandenen trichterförmigen, mit Blut angefüllten Vertiefung sucht er dann verzweifelt danach.“ Entnimmt der Chirurg ein Gewebestück in der vagen Hoffnung, dieses sei schon das gesuchte, dann fehlt der endgültigen histologischen Diagnose die notwendige Zuverlässigkeit.