Ob in der Bank oder im Restaurant – Service ist in Oz ein Fremdwort

Von Elisabeth Kaiser

Aus Deutschland waren Besucher gekommen. Nach vierundzwanzigstündigem Horrortrip durch drei Zyklone und einer verkrachten Landung fühlten sie sich wie auf den Mond geschossen, warteten zittrig und mit grünen Gesichtern auf die Offenbarung Australien, die bei ihnen im Moment „total in“ sei.

Nicht leicht für die Gastgeberin, ihre liebe Wahlheimat im besten Licht erstrahlen zu lassen. Gewiß, die Herbstluft war lind („so unverschmutzt“, fanden sie), der Indische Ozean glasklar und quallenfrei, und die lachenden Kookaburras, nach denen die fernsehgeschulte kleine Enkelin zuerst fragte, zogen zum Empfang eine volle Show ab.

Doch dann ging’s hinein ins tägliche Leben – und für mich eröffnete sich die ganz neue Perspektive des Touristen. Vieles hatte ich in zweieinhalb Jahren Australien bereits fraglos hingenommen. Im Verkehr: „Warum bleiben die rund um den Kreisel alle stehen?“ Ja, darüber hatte ich auch gerätselt, ganz am Anfang, aber selbst ein befragter Polizist wußte keine Antwort. Der Kreis hat Vorfahrt. Da es aber nicht üblich ist zu blinken, weiß niemand, wann wer von rechts kommt, und darum steht man halt und wartet, bis einer mutig genug ist einzufahren. Diese Sitte führt zu einem äußerst langsamen und – wenn man erst die europäische Raserei abgestreift hat – gemütlichen Straßenverkehr. Am Zebrastreifen verharren die Autos prinzipiell. Es könnte sich ja einer der auf dem Trottoir herumstehenden Leute dazu entschließen, über die Straße zu gehen. Bei Grün wird keinesfalls sofort gestartet. Vielleicht möchte ja einer im Gegenverkehr eben noch bei Rot durchfahren? Keine Eile in Westaustralien. Komm’ ich heut nicht, komm’ ich morgen.

Einwechseln von Reiseschecks auf der Bank: Der Formularkram in vierfacher Ausfertigung samt Paßvorlage und gründlichem Studieren aller Daten dauerte, Doch dann gab es einen Personalstau. Die Computer wollten den Tageswechselkurs nicht ausspucken. Unsere hilfreich gemeinten Tips, diesen doch einfach telephonisch bei der Zentrale zu erfragen, stießen auf blankes Unverständnis. Ich erinnerte mich sehnsüchtig an derlei Transaktionen in Ländern der Dritten Welt, wo jeder minderjährige Geldwechsler an der Ecke das Geschäft blitzschnell zu tätigen versteht.

Unnötig zu betonen, daß eine Entschuldigung ausblieb, als wir nach 45 Minuten Warten endlich bedient abziehen durften. Die Banken liegen in Sachen Ruppigkeit und Inkompetenz an der Spitze. Auch der bekannte Kunde wird nicht begrüßt. Besitzt er die Dreistigkeit, die Dame hir.term Schalter mit ihrem Namen anzusprechen, der groß auf ihrem Revers prangt, zuckt sie zusammen wie bei einem obszönen Antrag. Fragen werden gar nicht oder falsch beantwortet, und wer insistiert, wird einfach stehengelassen. Ein harmloser Geldtransfer von Australien nach Deutschland erwies sich bei der Commonwealth Bank of Australia als unerhörte Zumutung. Wie sie das denn „anstellen“ sollten, wurde ich gefragt, und als ich erwiderte, dies zu wissen sei doch Beruf des Bankers, liefen sie mir einfach weg. Die Deutsche Karin gestand mir, sie traue sich schon lang nicht mehr, Geld von ihrem Konto abzuheben, dazu schicke sie immer ihren Mann. „Wenn du hier aus der Bank rausgehst, mußt du froh sein, wenn sie dir nicht noch einen Tritt in den Hintern geben.“