Es war mal wieder nichts Rechtes mit diesem Wetter: Sonne zu spät, davor viel Regen und noch mehr Wind. Also kein Osterspaziergang zu den vielen Kränen, mit denen Bonn wie an einem steinernen Nachruf auf sich selber baut. Doch die Stille der Festtage hält noch an, selbst jetzt, da die Kräne wieder in Bewegung sind. Der Kanzler ist noch im Fastenurlaub, das Parlament kommt erst in der nächsten Woche wieder.

Ruhe vor dem Sturm? Bonn wartet darauf, wie die Regierung die Zügel anziehen wird. Im Kanzleramt herrscht grimmige Entschlossenheit, die schiefe Ebene der dauernden Wahlniederlagen in den Westländern nicht endgültig zur Rutschbahn werden zu lassen. Aber was brütet der Kanzler in Hofgastein aus? Ein Haushaltssicherungsgesetz? Beschränkungen der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Andere Einschnitte bei den Sozialleistungen? Die Bonner Stille erinnert an die unheimliche Ruhe vor dem Erdbeben; doch die bemerkten neulich nur die Nachteulen.

Während des Sauwetters hätte man ja in Ausstellungen gehen können, zumal in jene, die noch immer ungewöhnlich sind. Die neuen Länder legen sich mächtig ins Zeug. In der hessischen Vertretung zeichnet eine Schau die Bindungen und Brücken zu Thüringen nach; die sächsische Vertretung zeigt Produkte aus Mittelsachsen; die sachsen-anhaltinische präsentiert Arbeiten der Hochschule für Kunst und Design auf Burg Giebichenstein bei Halle. Nicht wenige Exponate wirken rührend altmodisch, und auch daran könnten die Westler gut begreifen, wieviel im Osten nachzuholen ist. Aber leider, alle Ausstellungen sind nur zu Beamten-Arbeitszeiten geöffnet. Wäre es nicht wichtig, das zu ändern?

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Wie es aussieht, wird es bei Abgeordneten und Ministern bald Nullrunden geben: keine automatischen Diäten- und Gehaltserhöhungen oder Einzahlung des Mehrbetrages auf Ostkonten. Unseres Wissens ist der CDU-Abgeordnete Norbert Lammert, Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium, der erste gewesen, der einen solchen Vorschlag vor gut einem Jahr inoffiziell in Umlauf brachte – vergeblich. Inzwischen aber traut sich wohl keiner mehr, das symbolische Opfer zu verwerfen. Und die Abgeordneten des Bündnis 90/Grüne spenden ihre letzte Diätenerhöhung schon für gemeinnützige Vorhaben in Ostdeutschland. Was zusammenkäme, wäre zwar lächerlich wenig, aber doch als Beispiel unheimlich wichtig.

Immerhin, in der österlichen Stille haben wir einige Töne deutlicher gehört, manche mit Wehmut. Was hat der sächsische Innenminister Heinz Eggert, dem von der Stasi so übel mitgespielt worden ist, im Fragebogen der FAZ geantwortet? Das größte Unglück, sagte er, sei für ihn, „am Leben vorbeizuleben“. Seine gegenwärtige Geistesverfassung? „Ja“. Sein Motto? „Scheitern ist nicht schlimm, schlimm ist, nichts versucht zu haben.“ Und wer oder was hätte er sein mögen? „Ein wenig mehr Ich von Anfang an.“

Was für frische Töne, weit entfernt von den oft vorgestanzten Antworten, die sonst im Fragebogen zu lesen stehen. Ganz am Anfang waren sie von ostdeutschen Abgeordneten auch im Bonner Parlament zu hören. Jetzt aber erinnern Eggerts Auskünfte daran, wie rasch sie verweht sind.