Am liebsten wie zu Hause, so wollen es die Deutschen auch im Urlaub haben. Das heißt, Sonne und Meer, Berge und Wald sollten schon für Abwechslung sorgen. Doch das wichtigste ist, das fand jedenfalls ein Hamburger Freizeitforscher heraus: Sauber muß es sein, so wie man es gewohnt ist.

Also scheint alles ganz einfach: Wer auch hier im Hochhaus wohnt, fühlt sich inmitten der Skyline von Arenal genauso wohl, die Reihenhausbesitzer buchen die Bungalowanlage am Palmenstrand und der Villeneigner mietet sich ein exklusives Inseldomizil samt Zimmermädchen, Kellner und Chauffeur.

Auch wer in andere Erdteile jettet, kann sicher sein, im hinlänglich Gewohnten zu landen. Im Ferienclub in Kenia wird deutsch parliert, in Thailand Filterkaffee aufgebrüht. Selbst wenn, wie in Sri Lanka, seit Jahren der Bürgerkrieg tobt, bleibt der gewohnte Urlaubsfrieden erhalten. Hinter den Mauern des Ferienghettos ist nichts davon zu spüren – der Gastgeber sorgt schon dafür.

Die Türkeiurlauber in den weißgetünchten Ferienanlagen an der Ägäisküste werden nichts von den Kurdenkämpfen wissen wollen. Und die Reiseleitung der Pauschalgruppen, die nun wieder nach Kambodscha reisen, wird ihnen viel vom Anchor Wat und wenig von den Roten Khmer erzählen.

Probleme und besondere Anstrengungen gehören offensichtlich nicht in die "schönsten Wochen des Jahres". Wie aber soll man sich dann erklären, daß es schon lange eine kleine Gruppe Unentwegter gibt, die sich in den Ferien auf Expeditionen durch den Urwald kämpfen, um wilde Indianerstämme zu besuchen, und Abenteurer, die, nur von sherpas begleitet, in der Kleingruppe Achttausender besteigen?

Nicht genug damit. Auf der Suche nach immer neuen Abenteuern, die ihnen die Wohlstandslangeweile vertreiben sollen, vergessen die Deutschen sogar ihren Hang zur Reinlichkeit.

Auf einem "Grundkurs im Überleben", abgehalten in einer entlegenen Gegend Polens, müssen die Teilnehmer ihre Notunterkünfte aus Zweigen und Laub eigenhändig errichten, das Trinkwasser selbst aufbereiten und sich darauf einstellen, eventuell nur einmal am Tag oder gar kein Essen zu bekommen. Natürlich alles pauschal gebucht, inklusive Versicherungspaket.