Trotz schwächerer Vorgaben aus Tokio und New York ist der deutsche Aktienmarkt bemerkenswert widerstandsfähig in die Nachosterwoche gestartet. Daran haben auch die leicht gestiegenen Zinsen am Rentenmarkt nichts geändert. Sie folgten damit der aufwärtsgerichteten Zinstendenz in den Vereinigten Staaten.

Der Anstieg war eine Reaktion auf bessere amerikanische Konjunkturdaten, die nach Ansicht vieler Experten weitere Zinserleichterungen in den Vereinigten Staaten unwahrscheinlich machen.

Bisher hat sich die Furcht, japanische Finanzkreise könnten sich zum Ausgleich der an der heimischen Börse erlittenen Verluste von ihren europäischen Aktien trennen, als grundlos erwiesen. Am deutschen Aktienmarkt blieb das Angebot – auch aus dem Ausland – in den letzten Tagen gering. Dies traf allerdings auch für die Nachfrage zu. Sie wird bewußt von den meisten Banken mit dem Hinweis auf drohende Streiks gebremst, die nach Meinung der Banker für günstigere Kaufgelegenheiten sorgen würden.

Auf längere Sicht gesehen, überwiegt bei den meisten Anlegern der Optimismus. Die nach unten revidierten Wachstumsraten für 1992 seien in den heutigen Kursen schon enthalten, wird kühn behauptet. Etliche Kreditinstitute versuchen das Interesse ihrer Kundschaft auf das Jahr 1993 zu richten, in dem der Aufschwung in ganz Deutschland an Stärke gewinnen soll. Dabei wird von sinkenden Zinsen, kaum veränderten Rohstoffpreisen und einem Dollarkurs ausgegangen, der um rund 0,15 Mark höher liegt als jetzt.

Belebt wird der Aktienhandel durch Sonderbewegungen. So hat der Kurs der Deutschen Pfandbrief- und Hypothekenbank (Depfa) erstmals die Marke von 600 übersprungen, obwohl die Bank für den Sommer eine Kapitalerhöhung angekündigt hat. Depfa-Aktien wurden vom Bund im März 1991 zum Preis von 400 Mark angeboten, ein gelungenes Privatisierungsbeispiel.

Weiter kräftig gestiegen ist der Kurs der Springer-Aktien. Dafür sorgten anhaltende Gerüchte über einen Paketwechsel, aber aktuell auch Hinweise darauf, daß der Konzern seinen wirtschaftlichen Tiefpunkt zu überwinden scheint. Zu einem Dauerbrenner an der Börse sind die Conti-Aktien geworden, die sich deutlich aufwärts entwickelten. Dem Unternehmen geht es besser als im Vorjahr. Die Reifenindustrie scheint ihre Krise hinter sich zu haben. Bei Conti kommt hinzu, daß einige Sonderbelastungen in diesem Jahr entfallen. Die positive Entwicklung dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen. K.W.