Märchen-Recycling

Es konnte nicht ausbleiben, daß mit der Eröffnung von Euro-Disneyland die alte Debatte über den amerikanischen Kulturimperialismus einen Aufguß erleben würde. Seit die Zitadelle des Zauber-Königreichs rosarot in den Pariser Vororthimmel ragt, befürchten alle Eurozentriker den weiteren Verfall der Erziehung unserer Kinder zum Wahren, Guten und Schönen: anstatt der Butzenscheiben von Chartres nur noch Wildwest-Saloons. So muß es als kluger Schachzug gelten, daß eine amerikanische Zeitung, die International Herald Tribune, das Wort zum Micky-Sonntag einem französischen Philosophen überließ. André Glucksmann beruhigte auf Seite 1 alle Euro-Puritaner mit dem Hinweis, daß Cinderella – alias Aschenbrödel – und Snow-White samt der sieben Zwerge schließlich mit Euro-Disney nichts anderes als eine Heimkehr erleben, Deutscher Grimm, von der kalifornischen Sonne verwöhnt. Na also! Wissen wir doch schon längst, daß auch Big Macs nur mutierte Buletten sind.

Schöner Neid

Selten genug, daß einer aus der Journalistenzunft einmal aus der Schule plaudert. Zu allem und jedem haben die Schreiberlinge eine feste Meinung, bloß wie sie entsteht, das bleibt dem Leser oft vorenthalten. Welche Beweggründe die New Yorker Journalisten kürzlich dazu trieben, die bösartigsten Attacken auf den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu reiten, das erläuterte jetzt der Kolumnist der New Yorker Tageszeitung Newsday, Jimmy Breslin: „Viele männliche Nachrichtenreporter hassen Bill Clinton im geheimen, weil er gut aussieht, während sie häßlich sind. Fürs Fernsehen haben sie zu schlechte Stimmen, und sie verdienen etwa ein Zehntel eines TV-Reporters, Bekannt sind sie eigentlich nur bei ihren Redakteuren und ihren Familien. Klar, daß ein Typ wie Clinton sie mit fletschenden Zähnen in die Tasten hauen läßt.“

Spielend scharfgemacht

Fragen von Besitz und Diebstahl sind Lebensfragen. Und wieder muß den Spielzeugherstellern gratuliert werden, wie einfühlsam sie die Kinder auf diese Welt vorbereiten. Diesmal mit „Alarm Cars“: Haltet den Dieb!‘ könnte man bei diesem neuen Matchbox-Auto ausrufen“, so versichert der Hersteller. „Dieses neuartige Modellauto erhebt ein Sirenengetöse und fängt an zu blinken, sobald es jemand in die Hand nimmt. Voraussetzung für diese Diebstahlsicherung ist der passende Autoschlüssel, mit dem das Modell scharfgemacht werden kann: Eine Schlüsseldrehung – und das Auto ist je nach Wunsch ge- oder entsichert.“ Im Spiel ist da, selbstverständlich, „die heutige Chip-Technologie“ mit ihren „winzigen Elektronik-Bausteinen“. Immer wieder erstaunlich, welchen Riesenblödsinn die kleinsten Bauteile noch möglich machen. Endlich wird, mit all den Sirenen, die tagsüber aus dem Kinderzimmer tosen, in der Nacht dann keiner mehr aufwachen, wenn auch Papis Wagen vor der Tür einmal loszududeln wagt.