Olympischer Affe

Einen Tag nach dem Fest kommen, ebenso verspätet wie überflüssig, die besten Ostergrüße von „Ihrem Berlin 2000 Olympia-Bärchen“ auf den Tisch – in der graphischen Gestaltung einfallslos, um nicht zu sagen: primitiv. Und an Geschmacklosigkeit fehlt es auch nicht: Ein runzliger australischer Ureinwohner findet sich auf dem Titelblatt der dritten Ausgabe des Olympia-Magazins, wie ein Affe angetan mit einem Olympia-T-Shirt, auf das er, obwohl er die Werbung sicherlich nicht lesen konnte, angeblich „richtig stolz“ war. Die Berlin 2000 Marketing GmbH schickt sich an, die Reputation und Bewerbung der Stadt in Grund und Boden zu wirtschaften.

Heirats-Schwindel

In der irakischen Botschaft zu Neu-Delhi stehen seit Tagen die Telephone nicht mehr still. In indischen Zeitungen war die Anzeige erschienen, daß Saddam Hussein Männer suche, die sich mit Witwen des Golfkrieges verheiraten wollen; umgerechnet etwa 1500 Mark für die Heirat plus eines Monatsgehalts von 600 Mark wurden versprochen. Doch die Verlockung war nur ein übles Spiel zynischer Betrüger: Die Gauner hatten an mehr als zehntausend heiratswillige Inder Bewerbungsformulare für fünf Mark das Stück verkauft. Waschkörbeweise landen nun die falschen Schriftstücke ausgefüllt in Bagdads Botschaft, versehen mit Geburtsurkunden, Universitätsdiplomen, Empfehlungsschreiben oder gar ärztlichen Gutachten, die den Männern Potenz bescheinigen. Kürzlich, so kolportierte eine indische Zeitung, habe der Botschafter einen Anrufer nach seinem Beruf gefragt. Es war ein ungelernter Arbeiter. „Tut mir leid“, soll der Diplomat mehr scherzhaft als verzweifelt geantwortet haben, „wir brauchen nur Atomexperten.“

Außerirdische Gewalten

Manchmal richtet sich die Politik des Bundesverkehrsministers nach dem Mond. Günther Krause hat im vergangenen Monat die „Befahrensregelung Wattenmeer“ erlassen. Danach dürfen sich bei Flut im naturgeschützten Küstenstreifen fast überall Wassersportler mit ihren hochmotorisierten Booten, Kajaks und schnellen Gleitern tummeln. Das wäre ohne die Anziehungskraft des Mondes, die den Meeresspiegel regelmäßig steigen und fallen läßt, nicht möglich gewesen. Wenn nämlich die Flut kommt, verwandelt sich das Wattenmeer in Minutenschnelle in eine Bundeswasserstraße – und für die ist der Bundesverkehrsminister zuständig. Die Küstenländer haben nur noch bei Ebbe das Sagen: Dann gilt ihre Nationalpark-Verordnung, die Tausenden von Wasservögeln und Watt-Tieren in dem einzigartigen Biotop an der Nordseeküste ungestörte Ruhe gewährt. Gelegentlich sind es eben außerirdische Gewalten, die dem Verkehrsminister Macht verleihen.