Von Wilfried Kratz

Aktionär Edward Simons faßte auf der Hauptversammlung von Vickers in London den Herzog von Kent fest ins Auge und forderte das Vorstandsmitglied auf, seinen Einfluß in königlichen Kreisen geltend zu machen. Prinzessin Diana sollte ihren kürzlich erworbenen Mercedes 500 SL gegen ein Produkt aus dem Hause Rolls-Royce eintauschen. Das Begehren ist verständlich: Rolls-Royce Motor Cars geht es schlecht. Hohe Verluste der Autofirma lasten auf der Vickers-Gruppe, die für 1991 einen Verlust von zwölf Millionen Pfund – umgerechnet 35 Millionen Mark – auswies und die vom Weg abgekommene Tochter bisher ohne Erfolg zum Kauf angeboten hat.

Die wohl berühmteste britische Automarke war auf Umwegen bei Vickers gelandet. Vor zwanzig Jahren ging der Konzern Rolls-Royce bankrott, weil er sich im Triebwerkbereich, dem weitaus größten Teil des Geschäfts, finanziell übernommen hatte. Der Staat sprang ein, sanierte und zerlegte den Konzern, verkaufte später das Triebwerkunternehmen über die Börse und die Autofirma an die Industriegruppe Vickers.

Die Rezession insbesondere auf den beiden wichtigsten Märkten Großbritannien und Vereinigte Staaten setzte dem Hersteller von Luxuskarossen hart zu. Im vergangenen Jahr sank der weltweite Verkauf von 3333 auf gerade noch 1722 Autos der Marken Rolls-Royce und Bentley. Kurzarbeit und Rationalisierung wurden verordnet. Ein Werk machte die Tore zu; 1700 Arbeiter oder ein Drittel der Belegschaft verloren ihren Arbeitsplatz. Rolls-Royce verbuchte einmalige Verluste von 31 Millionen Pfund und noch einmal soviel aus dem laufenden Geschäft.

Vickers-Chef Sir David Plastow entschloß sich zum Verkauf. Aber wo immer er anklopfte, das Interesse verflog sehr schnell, weil Rolls-Royce das unzuträgliche Image anhängt, nur von reichen Erben gekauft zu werden.

Die hohen Kosten der notwendigen Produktentwicklung schreckten ab und erst recht der geforderte Preis von angeblich 200 Millionen Pfund (585 Millionen Mark). Toyota winkte ab, ebenso BMW.

Als warnendes Beispiel mag Jaguar gedient haben. Ford kaufte vor zweieinhalb Jahren diesen britischen Hersteller von Autos der oberen Preisklasse für phantastische 1,6 Milliarden Pfund (knapp 4,7 Milliarden Mark). Seitdem hat Jaguar bei auf 26 000 Wagen halbierter Produktion horrende Verluste eingefahren. Fords Engagement gilt in der Branche deshalb als die größte Fehlinvestition in der Automobilgeschichte.