Von Bettina Wieselmann

Drei Wochen dauerte der Flirt der bei den Landtagswahlen am 5. April so gebeutelten baden-württembergischen CDU mit den Grünen. Offiziell beendet wurde er an diesem Montag, nachdem Schwarze und Grüne noch einmal stundenlang die gegenseitigen Schmerzgrenzen abgetastet hatten. Wenn jetzt doch mit den gleichfalls wahlgeschwächten Sozialdemokraten die Bedingungen für eine Vernunftehe ausgehandelt werden sollen, kann das nur diejenigen verwundern, die über den spektakulären Annäherungsversuch die realen Verhältnisse bei Christdemokraten wie Grünen außer acht ließen.

Später als erwartet hatte auch Regierungschef Erwin Teufel erkannt, daß das Techtelmechtel mit den Ökologen um Fritz Kuhn und Rezzo Schlauch seine CDU in eine gefährliche Zerreißprobe zu führen drohte. In der vergangenen Woche zog er dann parteiintern die Notbremse: Ungeachtet des noch ausstehenden zweiten Sondierungsgesprächs mit den Grünen, legte sich die CDU-Spitze hinter verschlossenen Türen darauf fest, es doch lieber mit der SPD zu versuchen.

"Es brennt bis unter das Dach", hieß es zu diesem Zeitpunkt bereits erschrocken in der CDU-Fraktion. Immer mehr Parteifreunde konnten überhaupt kein Verständnis dafür finden, daß die CDU zwar mit den bis zur Wahl von fast allen Christdemokraten gern als politikunfähig geschmähten Grünen Gespräche führte, nicht aber mit den eigentlichen Wahlsiegern, den auf Anhieb mit fünfzehn Abgeordneten in den Landtag eingerückten Republikanern.

Für eine solche Kontaktaufnahme hält zwar auch Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder "die Zeit noch nicht gekommen"; aber daß es mit den Grünen nicht gehen konnte, war für den Rechtsaußen im amtierenden Kabinett von Anfang an ausgemachte Sache. Der Präsident der Stuttgarter Industrie- und Handelskammer, DIHT-Chef Hans Peter Stihl, stärkte den Wirtschaftsleuten in der Landes-CDU mit seinem Votum für schwarz-rot den Rücken. Das gleiche besorgte Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel bei den vor allem an pragmatischen Problemlösungen interessierten Kommunalpolitikern.

Dabei war sich der junge, ehrgeizige CDU-Fraktionsvorsitzende Günther Oettinger zunächst so sicher gewesen, "daß wir schwarz-grün hinkriegen, wenn nur die Grünen wollen". Massiv unterstützt von der Jungen Union, deren Vormann sich noch jetzt gegen des "Trauerbündnis der Wahlverlierer" ausspricht, war es dem Schlauch-Duzfreund bereits in der Wahlnacht gelungen, so wichtige Parteifreunde wie die Vorsitzenden der CDU in Nordwürttemberg und Südbaden, Matthias Wissmann und Hans-Peter Repnik, für "das kreative Experiment" zu erwärmen. Selbst der Chef der Bonner Unionsfraktion, Wolfgang Schäuble, schien am Anfang Gefallen daran zu finden, daß die von 49 auf 39,6 Prozent abgestürzte CDU nicht sofort auf die SPD zugehen mußte.

Ohne Zweifel haben die beiden insgesamt achtstündigen Sondierungsrunden samt mehrerer Vier-Augen-Gespräche mit den Grünen der CDU eine bislang noch nirgendwo ernsthaft erwogene strategische Perspektive eröffnet. Derzeit gebe es zwar wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten mit der SPD, verabschiedete Teufel die Vertreter der Öko-Partei, aber für immer wolle er die Tür nicht zuschlagen.