Natürlich ergeben sich spekulative Chancen aus der niedrigen Bewertung vieler Anleihen. Schafft Chrysler das Wunder eines Umschwungs ein zweites Mal – wie in den siebziger Jahren, als Iacocca das Ruder übernahm? Dann winkt dem Anleger eine schöne Rendite. Beispiele für solche „Turnaround-Situationen“ gibt es immer wieder. Der Kurs der DM-Auslandsanleihe der News International (Rupert Murdoch) war Ende Januar letzten Jahres bis auf 43 Mark gefallen. Eine erfolgreiche Umschuldungsaktion brachte frisches Geld in die Firmenkassen. Der Kurs erholte sich bis auf derzeit 96,50 Mark. Und mit der Zahlungseinstellung Mexikos im Jahre 1982 fielen die Kurse der Mexiko-Titel bis auf 70 Prozent. Die Anleihen wurden aber prompt bedient und später zu 100 Prozent zurückgezahlt.

Das amerikanische Brokerhaus Dominick & Dominick hält eine ähnliche Kurswende beispielsweise bei ADT für möglich. Die 6,5-Prozent-Anleihe des weltgrößten Anbieters von Objekt- und Personenschutz notiert bei 74,50 DM und bringt eine Rendite von 16,4 Prozent – wenn der Schuldendienst erfüllt wird.

Ob es ein Unternehmen schafft oder nicht, ist ein Vabanque-Spiel. Größer ist da nach Meinung, der Rentenexperten schon die Chance bei Länderanleihen. So etwa bei den derzeit stark gedrückten „Russenpapieren“. „Die Finanzmärkte haben ein Erinnerungsvermögen wie Elefanten“, meint Werner Friedrich, beim Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt für DM-Auslandsanleihen zuständig. „Deshalb werden die Russen den Schuldendienst leisten.“ Falls dies wirklich geschieht, könnten sich die Anleger bei derzeitigen Kursen von etwas mehr als 60 Mark über Renditen von über 20 Prozent freuen. Solidus