Von Ernst Müller-Hermann

Seit der Öffnung der Region ist in Königsberg Aufbruchstimmung zu spüren. Neben der Port and Transport Consulting, einer Tochter der Bremer Lagerhausgesellschaft, die zusammen mit der BBI (Beratung und Bildung International) und der Stadt Bremerhaven soeben ein „Bremisches Hansekontor“ in Königsberg eröffnet hat, richtet auch die Lübecker Hafengesellschaft ein „Hansebüro“ dort ein. Beide unterstehen Professor Matochkin, dem Chef des Gebiets Kaliningrad. Etwa zehn private Unternehmen wollen ebenfalls möglichst bald eine gemeinsame Kontaktstelle finanzieren.

Verständlicherweise sind die unmittelbaren Nachbarn der Region, die Polen und Litauer, aber auch die Skandinavier besonders aktiv; die Polen unterhalten eine Reihe Joint-ventures, allerdings vorwiegend im Handel. Königsberg benötigt jedoch vor allem Kapital und Know-how – beides erhofften sich die Russen vor allem von der Bundesrepublik.

Für deutsche Unternehmen gibt es in Königsberg durchaus lohnende Partnerschaften: Die Werften, der Waggon-, Container- und Maschinenbau, die Fischproduktion und -verarbeitung, die Bernstein- und Ölgewinnung. Für die Bierproduktion bereitet die Hamburger Holstenbrauerei ein gemeinsames Unternehmen mit den Russen vor. Die Touristik, die noch in den Anfängen steckt, könnte zu einem lohnenden Devisenbringer werden.

Die Lloyd-Werft hat am 31. März in Bremerhaven den Vertrag über den Bau eines Tagungszentrums mit vier Konferenzräumen, acht Gästezimmern, Bibliothek und Küche unterzeichnet. Die Werft ist überzeugt, daß Königsberg die Drehscheibe im Ost-West-Verkehr der Zukunft sein wird, weil dort der einzige eisfreie Hafen Rußlands ist, der überdies das Zentrum der Fischerei für die gesamte GUS bildet. Zur Verbesserung des Tourismus wird die Werft schwimmende Hoteleinrichtungen modernisieren, vielleicht auch ein Hotelschiff bauen. Die Russen wollen jedenfalls in Svetly (früher: Peyse) einen Liegeplatz für ein Hotelschiff herrichten.

Widerstand der Admiralität

Die Häfen Klaipeda, Riga und Tallinn – inzwischen der russischen Zuständigkeit entzogen – werden den Russen wegen der sehr eigenwilligen und nicht immer abwägenden Politik der baltischen Republiken allmählich zu einem Dorn im schen So wird in Moskau darüber nachgedacht, Transporte statt über das völlig überlastete St. Petersburg über Königsberg zu lenken.