Von Fritz J. Raddatz

Mit unserem nassen gefieder gleichen wir lange geschützten Und letztlich doch vor dem aussterben nicht mehr gefeiten reihern.

Thomas Böhme

Das gelegentlich zu lesende Urteil, die DDR habe keine (ernstzunehmende) eigene Kultur hervorgebracht, basiert auf Unkenntnis und Böswilligkeit; keine angenehme Mischung. Soeben erscheinen einige hochinteressante wie liebevoll ausgestattete Bücher, die dieses Dictum korrigieren helfen, was die Literatur betrifft. Die in der Edition Galrev vorgelegte Anthologie „Vogel oder Käfig sein“ ist eine gelungene Ergänzung des 1990 bei „Text + Kritik“ publizierten Sonderbandes “Die andere Sprache. Neue DDR-Literatur der 80er Jahre“ (ZEIT Nr. 30/1990), und drei besonders schön gestaltete Bände der Autoren Jan Faktor, Flanzendörfer und Bert Papenfuß-Gorek in der von Gerhard Wolf betreuten Janus press bieten die Chance, in größerem Zusammenhang nachzulesen, was die alternative Literaturszene in der DDR hervorgebracht hat. Das ist bestürzend, in der Qualität beeindruckend und manchmal im Versuch, eine untergegangene Moderne neu zu erfinden, lächerlich. Hübsch der Reihe nach.

I.

Unter fast allen Texten der rund hundert Autoren, die die hervorragend dokumentierte Anthologie versammelt, liegt eine totale Identität von Existenz und Schrei(b)versuch; es ist weder sentimental noch dramatisch, wenn man – „geradeheraus in die Fressen der Politikanten“ – von existentieller Not spricht, die hier formuliert wurde: „Ich höre besser vorm Schluß auf. Ich melde mich hiermit ab. Ich erkläre mich aus verstanden, Tod frei! Text Ende. Anfang.“ Was da in Dutzenden von Privatdrucken, Graphikmappen, kurzlebigen Zeitschriften und Handpressen-Postern (heute von Akademien und Bibliotheken begehrte Sammelobjekte) sich artikulierte, war zuerst einmal überhaupt kein Spiel: Es war bezahlt mit Not, Schulden, Angst und Verfolgung – bis etwa zum Selbstmord des fünfundzwanzigjährigen Frank Lanzendörfer, der sich Flanzendörfer nannte und über den das Nachwort zu berichten weiß: „Jedenfalls scheint es nicht übertrieben zu behaupten, daß die Stasi einen Anteil an seinem Freitod hatte, das gehetzte (der) heißt einer seiner letzten Zyklen. Und nach seinem Tod lief Stasimann ‚Gröger‘ herum und erkundigte sich, zum Beispiel bei Jansen, ob es in der Szene Gerüchte gäbe, Flanzendörfer habe sich wegen der Stasi umgebracht.“

Die Gedichte, Szenen, oft Prosa-Fetzen dieser durchweg jungen, mittellosen und oft illegal kampierenden Autoren, entstanden in Kneipen, Hinterhöfen oder den ungeheizten Zimmern von Abbruchhäusern, sind authentisch in ihrer Radikalität: