Adenauers Bereitschaft zur Wiederbewaffnung wenige Jahre nach dem Zusammenbruch von 1945 brachte die CDU/CSU im Bundestag in starken Rechtfertigungszwang. Die „Ohne mich“-Stimmung war weit verbreitet. Am 8. Februar 1952 warb die CDU-Abgeordnete Aenne Brauksiepe besonders um das Ja der Frauen zur Wiederbewaffnung.

Wenn ich in dieser Stunde dem so erregten Gespräch der Männer als Frau etwas hinzufügen möchte, dann darum, weil der Bundestag an dem inneren Kampf zwischen Herz und Verstand, der sich in den letzten Wochen in unzähligen Frauenherzen entsponnen hat, am Widerstreit der Gedanken und Gefühle nicht vorübergehen kann und weil ich der Meinung bin, daß das Ja zum kleineren Übel nicht nur von den Männern gesprochen werden muß.

Die Frauen sind zu allen Zeiten die unsichtbaren Pfeiler der Geschichte gewesen, von deren Tragfähigkeit unendlich viel abhängt. Man soll uns Frauen nicht fragen, welchen Beitrag wir zum Krieg zu geben bereit sind, sondern was wir für den Frieden zu geben bereit sind.

Wenn wir eines Tages das Ja von allen Frauen haben wollen, das freiwillige Ja zu dem der Sicherung des Friedens dienenden Verteidigungsinstrument, das Ja auch von den 750 000 Witwen, das Ja auch von den Frauen, die heute noch auf die Heimkehrer warten, das Ja auch von all denen, die nach wie vor in die Gefangenenlager Pakete schicken, dann allerdings müssen wir anfangen, die hieb- und stichfeste Sprache, die gestern hier von vielen meiner Kollegen gesprochen wurde, mutvoll und furchtlos in die Öffentlichkeit hineinzutragen.

Ich bezweifle den echten Friedenswillen des Ostens, der so häufig in schamloser Offenheit die wegweisenden Leitsätze in die Welt hineingesprochen und -geschrieben hat. Es ist eine wahrhaftig offene und unzweideutige Sprache. Die Leute hinter dem Eisernen Vorhang, vor allem aber die Frauen, kennen diese Sprache zur Genüge. Diese von uns längst durchschaute Ostpropaganda ist es gewesen, die die wahre Notgemeinschaft hier schmieden geholfen hat.

In der Notgemeinschaft sind alle Frauen des Westens einbegriffen, nicht nur die deutschen Frauen and Mütter; in dieser Notgemeinschaft sind die Frauen aller westlichen Länder, nicht wir deutschen Frauen allein. Es geht ja gar nicht nur Deutschland; in diesen Stunden der kommenden politischen Entscheidung geht meine Sorge genauso gut nach Frankreich, diesem Lande, das trotz der vielen Erschütterungen einen so kraftvollen Aufbruch in der Familienbewegung gezeigt hat, geht meine Sorge ebensogut nach Italien, das von Kommunisten durchsetzt ist und in dem so unsterbliche Werte von dort Geist getragen sind, den wir unter allen Umständen zu erhalten suchen.

Diese Notgemeinschaft verbihdet uns Frauen und Männer des deutschen Volkes mit an jenen Ländern, in denen die moralische Kraft noch von dem unzähmbaren Drang nach der Sicherung der Familie, der freien Persönlichkeit und des christlichen Menschenbildes Überhaupt erfüllt ist. In dieser Stunde möchte ich dem Bundeskanzler die Versicherung geben: Es gibt noch eine Phalanx von Frauen.