Eine Schonzeit von hundert Tagen, so der gute alte Brauch, steht jedem Minister zu. Die nimmt sicher auch der neue Gesundheitsminister Horst Seehofer gerne für sein schwieriges Amt in Anspruch. Anderen will der CSU-Politiker diese Frist nicht gönnen. Angesichts der Kostenprobleme im Gesundheitswesen sollen die Raucher, die gerade zum 1. April eine Tabaksteuererhöhung schlucken mußten, bald erneut bluten: Eine Gesundheitsabgabe soll den Ignoranten die Sucht verleiden.

Was macht es da schon, wenn die Nikotinliebhaber, die sich gerade erst schmerzlich daran gewöhnen müssen, für ihre Glimmstengel fünf statt vier Mark in den Automatenschlitz zu stecken, durch Enthaltsamkeit die Kalkulation trüben könnten? Solche kleinkrämerischen Überlegungen dürfen eine derart glänzende Idee nicht aufhalten. Die ist zwar überhaupt nicht neu, aber ausbaufähig. Schon haben Koalitionspolitiker nachgefaßt und den Freunden von Bier, Wein und harten Getränken ebenfalls eine Strafsteuer zugedacht. Ähnliches bietet sich für die Betreiber gefährlicher Hobbys an. Ein Obolus auf Skier, Fußbälle, Skateboards, Stichsägen, Bergschuhe und Mountainbikes ließe die Kassen klingeln. Und auch Autos oder Motorräder sind ebenso gefährliche wie sanktionswürdige Produkte. So könnten die Krankenkassen sich gesundstrafen, und der Minister müßte sich nicht mehr mit der streitbaren Pharma- und Ärztelobby anlegen.

Aber vielleicht wollte Seehofer ja auch nur Vorzeige-Pfeifenraucher Björn Engholm eins auswischen. Den Liebhabern des Rauches aus dem Wurzelholzkolben wird allerdings nachgesagt, daß sie gründlich nachdenken, bevor sie sich zu Wort melden. Vielleicht sollte die Opposition Seehofer ein Pfeifchen zum Einstand schenken. dhl