Der liebe Leser wird es uns hoffentlich glauben: Unser erster Gedanke nach dem Aufwachen (und erst recht unser letzter vor dem Einschlafen) galt bisher weiß Gott nicht der Frau Doktor Schwaetzer, weiland Adam, derzeit Philipp. Nette Irmgard, braves Kind – kein Stoff, aus dem die Träume sind.

Aber nun! Aber nun hat Frau Doktor nahezu öffentlich geweint – über die tatsächlich schweinische Behandlung, welche ihr die liberale Männerriege letzte Woche zuteil werden ließ. Und zweitens hat Frau Doktor den Kollegen Jürgen W. Möllemann ein „intrigantes Schwein“ genannt, welches sie drittens selbstverständlich sofort dementiert hat, was uns aber viertens dennoch herzlich freut. In der Politik ist es doch wohl so, daß erst ein kraftvolles Dementi eine Nachricht endgültig beglaubigt.

Fünftens. Wir beobachten, staunend und gerührt, die unvermutete Verwandlung einer fleißigen Funktionärin und stillen Karrieristin in einen leidenden, tobenden, herzblutenden Menschen. Irmgard weint, und Irmgard wütet! Und wir, trockenen Auges und kühlen Sinns, fordern nun unverzüglich mehr Tränen in der Politik und endlich mehr Jähzorn! Es geht hier sozusagen ums Ganze, Schwein oder Nichtschwein.

Immerzu behaupten unsere Politiker, sie seien und sie sähen etwas „ganz gelassen“. Wir Untertanen aber wollen unsere Staatsmänner und Staatsfrauen nicht gelassen, sondern losgelassen! Wie oft haben wir über des Bundeskanzlers Reden („kulturelle Befruchtung ist keine Einbahnstraße“) gelacht, unter seinem unverbesserlichen Pfalzdeutsch und Dumpfdeutsch gelitten! Aber als Herr K. dann zur Aktion schritt und stürmte, furchtlos und dotternaß den Eierwerfern von Halle entgegen, da haben wir ihn (räusper) fast beinahe ein bißchen geliebt. Der Alpenkönig FJS war uns immer verdächtig, schrecklich, rundum zuwider – aber sein historisches Handgemenge mit den Liebesdamen in New York City war doch klipp und klar ein Höhepunkt der deutschen Verteidigungspolitik.

Kurzum: Heult, pöbelt und schlagt euch, soviel ihr wollt! Sonst vergißt euch das liebe Vaterland, noch während ihr ihm still & redlich dient. Eines Tages wird man euch, die Heuler, Pöbler und Schläger, ehren und feiern, als markante Persönlichkeiten, als „politisches Urgestein“ usw.

Letztens. Jürgen Möllemann, einst „Superstaatsmann Mümmelmann“, bald Vizekanzler, sollte sich über das Schwaetzer-Schwein nicht grämen. Bisher ist er für uns nur gepflegter Schnurrbart und geölte Rede gewesen; jetzt, zur Sau gemacht, bekommt sein Bild endlich Farbe, Rundung und Biß.

Der Mai ist gekommen. Deshalb beschließen wir unsere kleine, im besten Sinne patriotische Betrachtung mit einem Gedicht, einem Frühlingslied, in den Bonner Rheinauen zu singen: „Jürgen, sollst nicht traurig sein / Denn der Abstand ist nur klein / Zwischen Schwein und Urgestein.“ Finis