Von Stansfield Himer

McLEAN, VIRGINIA. – Wir brauchen neue Ansätze, um die Kontrolle über die mehr als 30 000 Atomsprengköpfe in Rußland, Kasachstan, Weißrußland und der Ukraine zu gewährleisten. Bisher verlassen wir uns darauf, daß diese Länder ihr Versprechen halten und all ihre Sprengköpfe nach Rußland verlegen, wo die meisten von ihnen zügig vernichtet werden sollen. Doch die Ukraine fragt sich mittlerweile, ob sie Rußland vertrauen kann. Kasachstan überlegt, ob es seinen Status als Nuklearmacht aufgeben soll. Und wer weiß, was die Pläne dieser wirtschaftlich desolaten und politisch unbeständigen Staaten in den fünf bis zehn Jahren noch durchkreuzen könnte, die es dauern würde, die Sprengköpfe unbrauchbar zu machen.

Ein erster möglicher Schritt wäre, die überschüssigen Sprengköpfe aus jenem Teil der Welt zu verbannen: Um das Risiko einzudämmen, daß sie bis zur Vernichtung gestohlen, verkauft oder womöglich sogar benutzt werden, könnte man sie unter internationale Kontrolle stellen und an verschiedenen Orten unterbringen.

Eine Insel im Pazifik käme dafür am ehesten in Frage, zum Beispiel die Johnston-Insel, auf der die Vereinigten Staaten chemische Waffen lagern und vernichten. Einer der größten Vorteile wäre, daß die amerikanische Regierung bereits damit vertraut ist, geeignete Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen. Nachteilig wäre, daß pazifische Inseln für Terroristen einigermaßen gut zugänglich sind, die atomare Waffen dort in ihre Gewalt bringen könnten. Auch ein abgelegener, unbewohnter Teil Grönlands wäre geeignet. Der wäre zwar schwerer zugänglich, aber die Grönländer könnten nein sagen.

So abwegig es auch klingen mag: Das beste Zwischenlager wäre die Antarktis. In der Nähe der amerikanischen Forschungsstation an der McMurdo-Meerenge liegen die Dry Valleys, ausgedehnte, schneefreie, ausgetrocknete Täler, bedeckt mit Geröll und Felsgestein. Dort herrschen ständig Temperaturen unter null Grad. In dieser Gegend, die von Eisbergen eingeschlossen ist, könnten die Sprengköpfe frei in Höhlen gelagert werden und würden – durch das trockene Klima – niemals verrotten.

Außer Radarstationen, die Schiffs- oder Flugverkehr in einem Umkreis von mehreren hundert Meilen orten würden, müßten nur einige Unterkünfte für schwerbewaffnete Wachmannschaften gebaut werden.

Die Lagerung von Atomwaffen würde auch nicht das internationale Abkommen über die Antarktis verletzen, das lediglich Militärstützpunkte, Manöver und Waffentests untersagt, nicht aber die Einfuhr von militärischem Gerät zu friedlichen Zwecken.