Rezension

Preisfrage – aus welcher Feder stammt folgender Satz: „Bisher war ein wachsender Anteil des Reichtums, den wir schufen, gewissermaßen Diebstahl bei unseren Kindern.“ Oder jener: „Es kommt darauf an, die Menschen zu verantwortungsvollem Verhalten zu motivieren, indem man ... zum Beispiel den Energie- und Wasserverbrauch besteuert.“ Oder dieser: „Die Industrie kann es sich nicht länger leisten, Umweltbedürfnisse nicht zur Kenntnis zu nehmen.“ Aussagen von radikalen Ökologen, von Weltverbesserern, von grünen Spinnern?

Es sind die Worte jener Herren, die die Geschicke der Weltwirtschaft lenken. Ausgerechnet sie haben nun ein flammendes Bekenntnis zum Umweltschutz abgelegt. Unter Leitung des Schweizer Superkapitalisten Stephan Schmidheiny hat eine Gruppe hochkarätiger Wirtschaftsführer namens Business Council for Sustainable Development knapp vier Wochen vor Beginn des Erdgipfels in Rio de Janeiro ihre Hausaufgaben gemacht – und ein Werk vorgelegt, das unternehmerischen Sachverstand in die Beratungen an der Copacabana einbringen soll. Es ist ein aufsehenerregendes Buch geworden.

Dem Wirtschaftswachstum, so die Argumentation, sind zunehmend Grenzen durch die Aufnahmefähigkeit des Ökosystems für Abfälle aller Art gesetzt. Deshalb heißt die neue Herausforderung: Mit weniger Umweltverbrauch mehr produzieren. „Es gilt, von Raubbau, Verschwendung, hohem Verbrauch und Umweltverschmutzung zur Bewahrung der Umwelt zu gelangen.“ Das ist der zentrale Inhalt des neuen Zauberwortes: nachhaltige Entwicklung. Aber wie kommt die zustande? Durch ein ganzes Bündel von Instrumenten, inklusive Umweltabgaben. Es sei an der Zeit, so Schmidheiny, „daß die Energiepreise auch die Umweltkosten enthalten“. Das ist ein wackeres Bekenntnis eines Unternehmers – ausgerechnet in einer Zeit, da beispielsweise die deutsche Wirtschaft über „unzumutbare und unverhältnismäßige Belastungen“ durch die von der Europäischen Gemeinschaft geplante Energiesteuer klagt.

Der Unternehmerrat nimmt zu den zentralen Themen Stellung: Nützt oder schadet internationaler Handel der Umwelt? Wie kann im Süden des Planeten eine Wirtschaftsordnung entstehen, die Armut überwinden hilft, ohne in die Umweltkatastrophe zu führen? Ein besonders interessantes Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle der Kapitalmärkte beim Umweltschutz. Abgerundet wird das Buch durch eine Fülle von Fallstudien, in denen Unternehmer von bereits erfolgten Schritten zum nachhaltigen Wirtschaften berichten.

Gleichwohl ist es nicht der Nachrichtenwert, der dem Buch Gewicht und Zündstoff verleiht. 48 Topmanager aus der ganzen Welt haben sich zur ökologischen Vernunft bekannt. Man wird sie in Zukunft daran messen. Vor allem aber wird man der Heerschar jener Manager, die die Herausforderung noch nicht begriffen haben, in Zukunft einen Spiegel vorhalten können, in dem sie ganz alt aussehen.

vo