Hohe Zinsen sind normalerweise der beste Garant für eine starke Währung. Eigentlich müßte die Deutsche Mark deshalb äußerst fest sein, denn die straffe Zinspolitik der Bundesbank hält unvermindert an. Statt dessen gibt die Mark, einst unangefochtener Stabilitätsanker in Europa, immer mehr nach. Sowohl im Verhältnis zum Yen wie auch zum französischen Franc und zum britischen Pfund hat sie spürbar an Wert eingebüßt. Selbst der Dollar hat kräftig gegenüber der Mark aufgeholt. Auch die jüngste Zinssenkung in Amerika konnte der Stärke der amerikanischen Währung nichts anhaben. Nach den Ergebnissen der ZEIT/Südprojekt-Prognose dürfte der Dollar schon in wenigen Monaten die Marke von 1,70 Mark überspringen. Die Volkswirte der Dresdner Bank rechnen gar damit, daß der Dollar in der zweiten Jahreshälfte 1,80 Mark erreicht und sich im kommenden Jahr weiter nach oben bewegt.

Die D-Mark-Schwäche ist vor allem eine Folge der hohen deutschen Inflation. Zieht man die Geldentwertung von den Kapitalmarktzinsen ab, so ergibt sich für Deutschland ein geringerer Realzins als in den Vereinigten Staaten.

Diese Konstellation birgt ernste Risiken für den deutschen Kapitalmarkt, da international operierende Investoren sehr auf den Realzins achten. Falls die amerikanische Konjunktur sich demnächst von ihrem Tief erholt, könnten viele von deutschen auf amerikanische Anleihen und Aktien umschwenken. Allerdings wird die Chance eines Aufschwungs in Amerika von den meisten Experten nicht sehr hoch bewertet. per