ZEIT: Herr Minister, Sie zitieren gern ein Wort von Franz Josef Strauß: „Richtig gedeutete Niederlagen sind für den Weg in die Zukunft wichtiger als falsch gedeutete Siege.“

Waigel: Wenn Sie sich in diesem Falle auf Strauß berufen, kann ich mich nur anschließen.

ZEIT: Die Koalition steckt in einer Krise. Viele attestieren Bonn eine Führungskrise. Die Bundesrepublik befindet sich in einer Finanzkrise. Hat die Regierung den Ernst der Lage und den Ernst der Niederlage vom 5. April verkannt?

Waigel: Was heißt denn eigentlich Krise? Im Sinne der ZEIT ist es natürlich die permanent geübte Kritik an dem, was die Regierenden tun. Wenn man aber Krise im Sinne von Ortega versteht, dann steckt darin die Möglichkeit, aus einer bestimmten Situation, wo die Dinge an der Wende stehen, zu lernen und das Richtige zu tun.

ZEIT: Eine Koalitionskrise ist wohl unleugbar nach der Art, in der die FDP die Ablösung des Außenministers und die Regelung seiner Nachfolge vorgenommen hat...

Waigel: ... wenn man überhaupt von Regelung sprechen kann!

ZEIT: Der Bürger versteht nicht, daß sich der Kanzler seine Gestaltungsmacht in personeller Hinsicht völlig aus der Hand winden ließ.