Verkehrte Welt: Ein Pharmakonzern ziert sich, sein Produkt zu verkaufen, der Moral wegen. So weit kann’s kommen, wenn – ja, wenn es um Frauen geht. Um Frauen und ihr Recht, in ihren Entscheidungen ernst genommen zu werden. Zum Beispiel in der Abtreibungsfrage und in ihrem Wunsch nach der medizinisch besten, weil schonendsten Methode. Über die verfügt Hoechst. Das Medikament in Pillenform heißt RU 486 und kann bis zur achten Schwangerschaftswoche die risikoreiche operative Methode ersetzen. In Großbritannien wird es verwendet, in Frankreich hat dies der Gesundheitsminister angeordnet: „RU 486 ist das moralische Eigentum der Frauen.“

Der Konzern, auch aus Angst vor dem Boykott seiner Produkte, und die Gegner des Frauenrechts auf Abtreibung vermischen nun aus eigennützigen Gründen das Pillenproblem mit der Reform des Paragraphen 218. So geschehen letzte Woche im Bundestag. Doch die Vermengung ist Unsinn: RU 486 wird ärztlich verabreicht, seine Wirkung observiert, wie auch immer das Gesetz aussieht.

Keine Angst also: Die Frauen geraten nicht außer Kontrolle. mg