Mit neunzehn schon vollendet. In der Donau-Zeitung erscheint 1893 die Erzählung „Der Juhschroa“. Eine Geschichte vom Land, genauer: aus dem Wald, aber nicht ländlich-gemütlich, auch nicht so großzügig mit den Feldwaldwiesen-Adjektiven für jedes Substantiv wie in vielen ihrer späteren Erzählungen, sondern ganz vorsichtig, nach innen gesprochen. Die Geschichte einer Frau, aufdringlich jauchzend bei jeder, möglichst unpassenden Gelegenheit. Denn als der Rabenhans nicht sie, sondern eine Fremde heiratete, da war eine Saite, „die einzige sanftere“, bei ihr gesprungen. Und so schrie sie sich durchs Leben, verarmte, ward achtzig Jahr und verkam, als „Quartierin“, als Sterbegast schließlich rund herumgereicht, „das verkörperte, lustige Elend“.

Als die Wirtstochter Emerenz Meier aus Schiefweg bei Waldkirchen im Bayerischen Wald für diese Erzählung, die dem Dorfleben so fremd war, so weit weg von den Herzein, die in windschiefe Außentoiletten geschnitzt werden, so weit weg von gewürfelten Hemden über Krachledernen, auch noch honoriert wurde, forderte der bis dahin skeptische Vater seine Tochter zum Weitermachen auf: „Schreib, Senzl, schreib!“ Er hätte es nicht tun sollen, er hat seine Tochter zum Wundertier gemacht, das Okapi aus dem Wald in den Zoo getrieben.

Hoch da droben steht der Wald, steht schwarz und schweiget, ein unergründliches Geheimnis, so recht das deutsche Mysterium. Im Wald, da sind wir Räuber. War’s nicht im Schutze des Teutoburger Waldes, daß wir uns gegen die Besatzungsmacht auflehnten? Die Nibelungen, unvergessen, gingen daraus hervor. Die Vietkong, das müssen Deutsche gewesen sein oder wenigstens von Deutschen angeleitet, das war unsere Guerillataktik, der Wald, der über Heidegger/Adornos Holzwege herabreicht bis in unsere Tage.

Aus dem Wald kommen wir, die Römer versuchten vergeblich, uns dieses Urgrunds zu berauben, heute tun wir das selber, und schon deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als uns den Wald zurückzuwünschen, anzubeten jeden einzelnen Baum, jede kleine Kröte daran zu hindern, daß sie vor unsern Reifen die Straße überquert, die wir ihr ins Gehege geteert haben.

Für Goethe & Schiller (Klassiker neigen zum Klassifizieren) war er „aus dem Mond gefallen“, ein „Traglaph“, er gehörte nicht nach Weimar, weil man dort das Marmorglatt-Klassische schätzte. Jean Paul machte 1796 die Runde, suchte sie alle auf, die anmaßenden „Xenien“-Polemiker, aber auf seiner Seite waren nur die Großväter und natürlich die Frauen. Den Repräsentanten, die in Weimar, wenn es schon kein Nationaltheater geben sollte, eine Deutsche Nationalliteratur gründen wollten, paßte er nicht ins Konzept, war er zu erfolgreich, zu ungebärdig, mit seinen sinn- und zwecklosen Digressionen auch zu unklassisch schwierig. Ein Traglaph eben, nicht von dieser Welt.