Die Elektrotechnische Zeitschrift meldet: „In New York wurde ein Kommis in der 8. Avenue getödtet. Als er nämlich einen metallenen Schaukasten, der vor dem Laden auf dem Trottoir stand, wegrücken wollte, berührte das Metall desselben den Kohlenstift einer vor dem Laden hängenden elektrischen Lampe. Der Kommis stiess einen lauten Schrei aus und stürzte als Leiche zu Boden.“

Das war 1890. Grell strahlte der Lichtbogen; die neue Beleuchtung knisterte und summte. Blankes Kupfer zog den Strom durch die Luft.

„Auf Befehl der städtischen Behörden schneiden Arbeiter täglich die Drahtleitungen ab und hauen die Telegraphenpfähle um. Der Plan, die Straßen elektrisch zu beleuchten, muß aufgegeben werden, bis es gelingt, durch geeignete Vorrichtungen den elektrischen Strom wirklich gefahrlos zu leiten. Bis jetzt zählen die Todesopfer bereits nach Hunderten...“

Isolation tat not. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft Berlin, uns als AEG bekannt, offerierte 1894 in ihrem Katalog „biegsame Leitungsschnüre, mit weißer Baumwolle umsponnen, Paragummistreifen umwickelt, Baumwolle umsponnen, hierauf die Rückleitung; dann mit weißer Baumwolle umsponnen, mit Paragummistreifen umwickelt, Baumwolle umsponnen, asphaltirt und beklöppelt mit“, wahlweise, „Prima Glanzgarn“ oder „Prima Mailänder Seide“.

Aber wenn die Schnüre zu oft gebogen wurden, dann atmete das spröde Gummi durch, dann brach der Asphalt, dann sickerte das Wasser ein, und ab ging die E-Post.

Es lebe der Kunststoff der Nachkriegszeit! Ein Hoch auf die VDE-Vorschriften! Danken wir den Ingenieuren! Gedenken wir der Opfer!

Heute haben die Sicherheitstechniker andere Sorgen. Wenn PVC-Leitungen brennen, entsteht Salzsäure. Sie frißt sich in den Stahlbeton moderner Gebäude, das Metall verliert seine Kraft; Decken und Wände stürzen ein (Wochen später).