Lise, zwölf Jahre alt, heißt eigentlich Lizette und geht in die sechste Klasse einer Grundschule im Westberliner Bezirk Neukölln. Sie hat drei Geschwister. Die Eltern arbeiten beide als Pädagogen. Lise, so nennen sie ihre Klassenkameraden, spielt Fußball und Posaune.

Ossis kenne ich schon lange, wir haben da drüben Verwandte. Das war doof früher. Man mußte einen Antrag stellen, um zu denen rüberzufahren, und die konnten das gar nicht. Das ist jetzt schon besser, das gefällt mir ganz gut. Wir machen das ganz oft, da rüberfahren.

Mit der Klasse waren wir auch schon mal im Osten, das hieß Braunsdorf oder so. Da war auch ein See, und das Wasser da war ganz prima, wir konnten baden. Das hat irre Spaß gemacht.

Mit den Kindern aus dem Ort haben wir aber nicht geredet. Die waren komisch, sag’ ich mal. Die reden auch anders. So irgendwie ... immer ganze Sätze. Nicht wie wir: Eh, kann ick nich, oder so. Die sagen dann: Das kann ich nicht. Bloß als Beispiel. Das ist bestimmt wegen der Schule dort so. Die haben das ganz anders gelernt.

Deshalb kann man mit denen nicht so richtig reden, weil die ganz anders sind. Ich denk’ auch, bei denen war es bestimmt verboten, im Unterricht zu lachen. Zum Beispiel, wenn einer mit dem Stuhl kippelt. Bei uns ist das lustig. Wer kippelt, muß zehn Pfennig in die Klassenkasse zahlen. Wer umfällt, eine Mark. Auch die Lehrer. Und bei Mirko geht das ganze Taschengeld dafür drauf.

Auf dem Spielplatz war so’n Junge, dem haben wir gleich angesehen, daß der aus’m Osten ist, wie der angezogen war. Brauner Pullover und die Hose, das würde kein Kind bei uns anziehen. Na, der hat dann so erzählt, er hat schon einen Führerschein, den will er uns zeigen, wenn wir bißchen hierbleiben. Dabei war der so alt wie wir, bestimmt. Den haben wir reden lassen, hat natürlich keiner geglaubt. Der wollte einfach was machen, damit er besser ist als wir. Denk ich.

Ich find das Leben lustig. So kann es immer weitergehen. Als Kind hat man keine Sorgen, höchstens mal in der Schule. Aber das ist nicht so schlimm, ich kann mit meinen Eltern darüber reden. Wenn mich mein Vater mit dem Auto von der Schule abholt, erzähl’ ich ihm gleich alles, und dann ist es wieder gut. Familie und Freunde, sag’ ich ja ...