In knapp zwei Wochen am 17. Mai 1992 ist es soweit: Nach fast dreißig Jahren Planungs- und Bauzeit startet der Lufthansa-Jumbojet mit der Flugnummer LH 6175 morgens um 5.55 Uhr und eröffnet offiziell den neuen Münchner Flughafen. Fortan sollen auf dem Franz-Josef-Strauß-Airport täglich rund 35 000 Passagiere abgefertigt, 40 000 Gepäckstücke verfrachtet werden und circa 500 Flugzeuge starten und landen.

In München II oder "Muc", wie der Flughafen in der Fliegersprache heißt, schufen die Planer zwei parallele Start- und Landebahnen – 4000 Meter lang und 60 Meter breit. Zwischen den Betonbändern liegen die 48 Parkpositionen für die Jets, die Passagierterminals und Versorgungseinrichtungen. Im tausend Meter langen Abfertigungsgebäude befinden sich vier in Modulbauweise miteinander verbundene, eigenständige Terminals sowie eine Sonderzone, in der besonders gefährdete Fluggesellschaften wie beispielsweise El Al abgefertigt werden. In den einzelnen Terminals gibt es alle notwendigen Serviceeinrichtungen wie Check-in, Paß- und Zollkontrolle, Sammelwarteraum, Gepäckausgabe oder Ticketschalter. Sie sollen München II zu einem "Flughafen der kurzen Wege" (so hoffen die Münchner) machen. Umsteigepassagiere können sich mit Hilfe von 56 Laufbändern, die insgesamt 3300 Meter lang sind, weite Fußmärsche zwischen den verschiedenen Terminals ersparen.

Das Terminal A ist für den Inlandsflugverkehr reserviert. Im Terminal B fertigt die Lufthansa ihre internationalen Flüge ab. C und D dienen den anderen internationalen Fluggesellschaften. Demnächst soll Terminal C ausschließlich für Interkontinentalflüge genutzt und vom Terminal D der übrige Europaverkehr abgewickelt werden.

Ein ausgefeiltes System von Anschlußflügen soll den Passagieren das Umsteigen innerhalb von 35 Minuten garantieren – und damit die Zeit zwischen zwei Flügen gegenüber anderen europäischen Großflughäfen wie Frankfurt oder Amsterdam Schiphol um eine Viertelstunde verkürzen. Während über Frankfurt weiterhin ein Großteil des Transatlantikverkehrs zwischen Deutschland und Amerika abgewickelt wird, sollen ein großer Teil des Lufthansa-Europaverkehrs, Fernflüge in den Nahen, Mittleren und Fernen Osten, nach Afrika und auch nach Südamerika zunehmend von München aus starten. Deshalb hat die Deutsche Lufthansa München zu ihrem zweiten Flottenstützpunkt erkoren. Bernd Loppow