Wenn die Bundeswehr heute die schwierige Umstellung von einer großen zu einer sehr viel kleineren, von einer westdeutschen zu einer deutschen Armee halbwegs mit Zuversicht anpacken kann, dann liegt das nicht zuletzt an Wolf Graf Baudissin, der am 8. Mai seinen 85. Geburtstag feiert.

Der Wehrmachtsmajor hatte erfahren, wie Diktatoren Streitkräfte benutzen und korrumpieren können, deren innere Einstellung antidemokratisch ist. Als Offizier der Bundeswehr legte er, der „Vater der Inneren Führung“, das gedankliche Fundament, auf denen eine neue, demokratische Armee entstehen konnte: eine Armee von Staatsbürgern, die nicht nur folgen, sondern mitdenken, die nicht außerhalb, sondern in der Gesellschaft stehen.

Die Gesellschaft, aber auch mancher Gestrige unter den Militärs haben ihm anfangs diese Aufgabe nicht leichtgemacht. Doch Baudissin ließ sich nie beirren. Jene Eigenschaften, die er auch den westdeutschen Soldaten beibringen wollte, halfen ihm dabei: Offenheit, Fairness und ein beharrlicher Glaube an die heilsame Wirkung des Dialogs und die Kraft der Vernunft. Inzwischen gilt die „Innere Führung“ als bestes Projekt deutscher Entwicklungshilfe für die Armeen des ehemaligen Sowjetreiches, die mühsam lernen müssen, was es heißt, Soldat in der Demokratie zu sein.

Baudissins Berufsweg schien gewunden, doch er war gerade. Offizier war er, Kriegsgefangener, gelernter Töpfer, dann wieder Offizier und schließlich in Hamburg Professor und Leiter eines Instituts für Friedensforschung. Ein Lehrer war er stets. Seine Schüler – in und außerhalb der Bundeswehr – wissen, was sie ihm zu verdanken haben. -cb-