Von Gero von Randow

Roboter, die auf zwei, vier oder sechs Beinen daherspazieren, die kennen wir aus Science-fiction-Filmen. Richtige Roboter indessen, solche, die auf Industriemessen ausgestellt sind, rollen allenfalls auf Rädern oder fahren auf Ketten – die meisten rühren sich nicht einmal vom Fleck.

Und die mit den Beinen, von denen man ab und zu hört, wo laufen sie denn, außer im Kino? Im Labor.

So wie planar biped, also der "flache Zweibeiner" (siehe Schemazeichnung): Der kommt angerannt, stößt sich mit einem seiner Teleskopbeine ab zum Sprung, landet auf beiden Stelzen zugleich, schnellt seinen 50-Zentimeter-Körper einen Meter hoch in die Luft, kippt vornüber, zieht die Beine ein und dreht sich fix, bis die Beine wieder zur Landeposition zeigen, fährt sie aus, landet und läuft weiter: Bravissimo, der Salto ist perfekt!

Ein großer Sprung für das metallene Geschöpf, ein kleiner, immerhin, für die Wissenschaft.

Die vertritt Marc H. Raibert, Professor am Artificial Intelligence Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er hat den computergesteuerten Zweibeiner vor einigen Jahren ersonnen und ihm Gymnastik beigebracht. Sein biped benötigt Hilfestellung in Form einer Stange: Deren eines Ende montierte Raibert an einen beweglichen Drehzapfen am Fußboden, am anderen Ende wird das Wesen wie ein Tanzbär im Kreise geführt. Der jüngere Bruder des biped braucht keine Führungsstange mehr, sondern flitzt durch eine Tretmühle; "wir trainieren gerade den Purzelbaum", sagt Raibert.

Seine Apparate hopsen scheinbar zweckfrei durchs legendäre Intelligenzlabor, aber der Forscher läßt es nicht damit bewenden, daß ihm das Ganze "ein Riesenspaß" sei. Er argumentiert ähnlich wie seine Kollegen aus den Nachbarzimmern, die der Künstlichen Intelligenz hinterherjagen: Wir mögen uns kluge Erklärungen dafür zurechtlegen, wie der Gehapparat eines Lebewesens funktioniert – erst wenn wir ihn nachbauen können, haben wir ihn begriffen.