Auf dem Berliner Zeitungsmarkt, ohnehin schon ein „Tollhaus“, wie ein Verlagsmanager befindet, ist es in dieser Woche noch ein bißchen turbulenter geworden. Seit Montag hat der Münchner Verleger Hubert Burda die lang angekündigte Lokalausgabe seiner Super! Zeitung auf den Markt geworfen – gleich in der ganzen Stadt.

Der Zeitpunkt ist nicht sonderlich günstig. Fast alle Zeitungen – nicht nur in Berlin – hatten im ersten Quartal dieses Jahres Auflagen Verluste hinzunehmen. Die Gründe sind klar: Im vergangenen Jahr profitierten die Blätter von der Nachrichtenlage des Golfkriegs, jetzt herrscht allgemeine Politikverdrossenheit, geschürt durchs Bonner Theater und die Hiobsbotschaften aus etlichen Ecken der Welt. In Ostdeutschland kommen noch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinzu.

Allerdings ist der Zeitungsmarkt der künftigen Hauptstadt ganz besonders heftig umkämpft. So gibt es nicht nur Konkurrenz zwischen den Blättern aus dem Westteil und denen aus dem Osten, zu denen sich auch Newcomer gesellten. Auch die überregionalen Zeitungen Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche, Frankfurter Rundschau und Welt bemühen sich verstärkt um Berliner Leser – wohl ein bißchen viel für den ohnehin schwierigen Markt.

Alles zusammen ging auch an Burdas Super nicht spürlos vorüber: Das Boulevardblatt, eigens von Burda für den ostdeutschen Markt erfunden, stagniert bei einer Auflage von gut 400 000 Exemplaren – zu wenig, um in die Gewinnzone zu kommen.

Doch auch Marktführer Bild muß derzeit Federn lassen, besonders im Westen. Insgesamt werden nur knapp 4,5 Millionen täglich verkauft – oder weniger. Offiziell gibt der Springer Verlag nur noch die Durchschnittsauflage von Montag bis Freitag an. Boulevardblätter aber liegen an Sonnabenden bis zu zwanzig Prozent niedriger. Damit aber würde das Bild noch weiter getrübt.

Das Faktum an sich ist noch nicht überraschend: Das Buch „Die Zukunft ruft – Management, Märkte, Motoren“ vom Volkswagen-Vorstand und Franzosen Daniel Goeudevert, vor zwei Jahren auf Deutsch erschienen, ist seit kurzem auch auf Französisch zu haben. Was erstaunt, ist allerdings der Zeitpunkt. Denn jenseits des Rheins werden im Juni die meisten Chefs der zahlreichen Staatsunternehmen von der Regierung neu ernannt, wie alle drei Jahre. Und deswegen machen die Kandidaten derzeit kräftig Wahlkampf.

Sollte es da auch Goeudevert auf einen Posten abgesehen haben, nachdem er in Wolfsburg nur Nummer zwei geworden ist? Er war in jüngster Zeit auffällig oft in Paris; Ende März hatte er sogar einen längeren Auftritt im Fernsehen. Goeudevert müßte freilich die Branche wechseln. Denn Peugeot ist ein Privatunternehmen. Und bei Renault ist der Fahrersitz praktisch schon besetzt: Auf Raymond Levy soll Louis Schweitzer folgen, der gute Beziehungen zur neuen französischen Regierung hat. Dafür ist die Besetzung von anderen Chefsesseln noch offen: etwa jener des finanziell angeschlagenen Militärurd Elektronikkonzerns Thomson, des ebenfalls wackligen Computerproduzenten Bull oder gar des Strommonopolisten EDF ...