Auch 1992 werden die Deutschen wieder einmal so viel verreisen wie niemals zuvor. Den Löwenanteil am Umsatzplus verdanken die Reiseveranstalter den Ostdeutschen.

Deutschlands Reiseveranstalter überbieten sich derzeit mit Meldungen über Rekordbuchungen für das laufende Reisejahr. Allein beim Branchenführer TUI zahlten bis Ende April 470 000 Gäste mehr als im Golfkriegsjahr 1991 eine Pauschalreise an, das entspricht einem Zuwachs von 25 Prozent. Mit dem Konkurrenten NUR aus Frankfurt wollen bislang 1,3 Millionen Deutsche verreisen, gar 39 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch bei der Kölner Kaufhoftochter ITS und den Veranstaltern der Düsseldorfer Fluggesellschaft LTU sprechen die Verkaufsmanager von einer „sehr erfreulichen Entwicklung“. Das es „so nicht bleiben wird“, weiß nicht nur NUR-Chef Wolfgang Beeser. Denn die Vergleichszahlen von Januar bis März 1991 waren durch den Golfkrieg geprägt – als die Reisebuchungen in den Keller sackten. Trotzdem: Wenn im Spätherbst abgerechnet wird, hoffen TUI, NUR & Co. unisono, bis zu zwanzig Prozent mehr Umsatz in der Kasse zu haben.

Von der anhaltenden Reiselust der Deutschen profitieren die vom Golfkrieg betroffenen Länder Türkei, Zypern, Tunesien, Marokko und Ägypten am meisten. Aber auch Spanien, im vergangenen Jahr am stärksten von der Abstinenz der Urlauber im östlichen und südlichen Mittelmeerraum begünstigt, wird noch einmal mehr Gäste an seinen Stränden begrüßen können und damit das mit Abstand liebste Ferienziel der Teutonen bleiben.

„Zur Zeit laufen alle Urlaubsziele gut“, freut sich Wolfgang Beeser. Ein Grund dafür ist, daß die 1,2 Millionen Deutschen, die einmal in Jugoslawien Urlaub machten, sich auf die anderen Länder verteilen. Viele fahren wieder auf die andere Seite der Adria nach Italien. Außerdem würde, so Beeser, in Jahren, in denen der Pkw-Verkauf eher stagniert, die Reiselust stark zunehmen.

Dafür spricht, daß vor allem die neuen Bundesbürger mittlerweile frisch motorisiert die Reisebüros stürmen. Allein die TUI, die 1991 insgesamt 180 000 Reisen an die Ostdeutschen verkaufte, hat schon jetzt zwischen Elbe und Oder 256 000 Pauschalpakete abgesetzt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte vor allem der Nachholbedarf der Ostdeutschen dafür gesorgt, daß trotz des Golfkrieges bei den Veranstaltern schwarze Zahlen in den Bilanzen erschienen. „Auch jetzt“, weiß ITS-Sprecher Martin Katz, „geht ein Großteil vom Umsatzplus auf das Konto der Neubundesbürger.“