Man hört ja immer öfter, daß wir Menschen unsere Lebensgrundlagen zwar unsystematisch, dafür aber um so wirksamer vernichten: das sogenannte Umweltproblem. Nicht nur, daß die Ressourcen dieser Welt gewissermaßen zur Neige gehen, auch der Vorrat an guten Nachrichten sowie an natürlich-schönen Vergnügungen ist deutlich begrenzt.

Es scheint deshalb von erheblicher Bedeutung, daß es dem österreichischen Bundesland Tirol gelungen ist, diese Naturgesetze außer Kraft zu setzen. In Tirol steht ein unerschöpflicher Fundus an gführigen und unverwüstlichen Neuheiten bereit, zumindest wenn es nach der Zeitschrift Tirol geht, dem Zentralorgan der Tiroler Tourismuswerbung.

Das belegen zwei Meldungen aus einer aktuellen Ausgabe des Magazins. Schon bald nach Beginn dieses Jahres in die gefährdete Welt gesetzt, können sie dank einer speziellen Wiedervorlagetechnik hier jetzt jene Tragweite ausspielen, die sie gerade in der tourismustechnisch schwierigen Zeit des Übergangs von Winter- auf Sommersaison besitzen.

Früher hatte Tirol ja den Ruf, nur zwei Jahreszeiten zu kennen, erstens den Winter und zweitens jene drei Wochen im August, in denen Bewohner und Besucher bei milden Temperaturen von fünf Grad Celsius sich in sanften Nieselschauern erfrischen. Das war aber Anfang dieses Jahrhunderts; inzwischen hat sich das gründlich geändert. Tirol lebt jetzt von zwei Saisonen und den mit ihnen verbundenen Sportarten, nämlich dem Winterschilauf und dem Sommerschilauf. Letzterer ist allerdings stark unter Beschuß geraten, weil er verlangt, zarte, weiße Gletscher mit Unmengen von Beton, Stahlträgern und Sonnenölfläschchen zu spicken.

Insofern macht es viel Freude, folgendes zu lesen: „Der Gletscherskilauf verliert ab sofort sein Buhmann-Image als hochalpiner Umweltverschmutzer.“ So verkündet es die erste der erwähnten Kurzmeldungen. „Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Umweltbundesamtes. Die Ergebnisse zeigten, daß sich die Proben von touristisch genutzten und nicht genutzten Gletschergebieten kaum voneinander unterscheiden. Hinsichtlich der Wasserqualität wiesen nur zwei von sechs untersuchten Gletscherbächen eine gewisse Belastung auf, die jedoch eher von häuslichen Abwässern als von anderen Verunreinigungsquellen herrührten.“

Wie das nun im Detail zu verstehen sei, war trotz umfangreicher Bemühungen nicht zu klären. Es kann aber festgehalten werden, daß hochalpin schon deshalb nicht die Umwelt verschmutzt wird, weil der Saft ja unten herausrinnt, daß es aber wohl besser wäre, wenn die Schiläufer da oben außerhäuslich aufs Klo gingen.

„Bestes Pistenheu“, so ist die zweite Meldung gleich darunter betitelt. „Auch der Fachverband der Seilbahnen meldet, daß eine Diplomarbeit von Christiane Brandstätter, die über einen Zeitraum von 2 Jahren Pisten und Nicht-Pisten in Skiregionen auf etwaige Umweltschäden hin untersuchte, eindeutig ergab, daß Pisten eine bessere Bodenbeschaffenheit aufweisen als Nichtpisten. Brandstätter stellte fest, daß der Heuertrag auf Planier-Pisten bis zu 43% höher sein kann als auf von Skifahrern unberührten Gebieten. Die Pistennutzung führe jedenfalls zu keinerlei dauerhaften, sich negativ auswirkenden Bodenveränderungen.“