Eine Dank- und Planungsreise sei das, sagte Richard von Weizsäcker über seine Amerika-Reise. Es war nicht nur sein eigener erster Staatsbesuch in Washington, sondern auch der erste eines Staatsoberhaupts des vereinigten Deutschlands.

Anlaß genug, den Amerikanern noch einmal in gediegener Form, nämlich in der Rede vor den beiden Häusern des Kongresses, für die Hilfe auf dem Weg zur Vereinigung zu danken. Man kann den Freunden drüben nie genug danken. Also sagte von Weizsäcker bereits früh in der Rede, mit apart rollendem R: Thank you, America.

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Danach kamen gemischte Botschaften, auch für daheim. Da ist das einzelne Wort entscheidend; deshalb seien kleine Hervorhebungen gestattet. Zur Einheit der Deutschen beispielsweise sagte Weizsäcker: „Die abrupte Überführung einer Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft ist ein Abenteuer ohne Beispiel. Es wird mehr Geld und Zeit kosten, als man ursprünglich dachte und zugeben wollte.“

Auch die Rede vor Studenten in Houston, Texas, nützte der Redner-Präsident für ein paar Bemerkungen zu aktuellen politischen Code-Wörtern. Beispiel Wettbewerb, das Wundermittel für den Aufbau des Ostens, von der Elbe bis zur Beringstraße. „Genau wie der Fortschritt kann auch der Wettbewerb kein Selbstzweck sein“, meinte der Präsident, der selbst aus dem Vaterland Ludwig Erhards kommt, im Mutterland des Wettbewerbs. „Er soll der Unterdrückung durch Monopole abhelfen, aber nicht um den Preis der Furcht.“ Wäre es nicht an der Zeit, „die absolute Wettbewerbsorientierung in unserer eigenen Gesellschaft in Frage zu stellen“?

Schließlich sagte der deutsche Gastredner vor den jungen Leuten an der Rice University: „Denken Sie daran: Der Gegenspieler ist Teil Ihrer Welt... Die Fähigkeit zur Mäßigung ist nun gefordert. Sie muß ihren rechtmäßigen Platz wieder einnehmen in einer Zeit, in der die Exzesse des 20. Jahrhunderts überwunden sind.“ Assoziationen zu deutschen Verhältnissen sind beabsichtigt.

Hans-Dietrich Genscher war übrigens auch kurz dabei, verabschiedete sich vom Kollegen Baker und flog alsbald zurück. Den Weizsäcker-Empfang im Kennedy-Center machte er noch mit, die anschließende Dornröschen-Aufführung des Stuttgarter Balletts nicht mehr. Warum das? Ein Insider: „Der Bundesaußenminister zieht Heino vor.“

Werner A. Perger