Hüter von Geld und Geschichte

Jetzt strömen die Schlachtenbummler wieder an den normannischen Landungsstränden des Zweiten Weltkrieges: Wie alle Jahre in der Reisesaison pilgern Zehntausende aus Manchester und Milwaukee, Maastricht und auch Mainz zum Schauplatz des längsten Tages, des D-Day vom 6. Juni 1944. Dort streicht der Wind über geschleifte Linien und granitene Denkmäler – und dort faucht neuerdings hinter der Kulisse ein wütender Streit zwischen den andern combattants, den Kämpen von damals, und dem jungen Bürgermeister von Arromanches. Der pocht, Geschichte hin, Verehrung her, auf das Gesetz, demnach heute der Ertrag des lokalen Schlachtenmuseums – immerhin gut zwei Millionen Mark – der kleinen Gemeinde zugute kommen soll. Nutznießer war bisher ein Komitee von Haudegen, längst in die Jahre und zu verdienten Ehren gekommen. Die weißhaarigen Herren machen jetzt noch einmal mobil; von der Insel her drohen gar die old chums der Royal Air Force dem vorwitzigen Bürgermeister. Wer streckt zuerst die Waffen: die Hüter der Geschichte – oder der Anwalt des Gesetzes?

Ausgezeichnet

Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, gestiftet vom Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, wird in diesem Jahr an die Ressorts „Zeitläufte“ (Dr. Karl-Heinz Janßen) und „Politisches Buch“ (Dr. Volker Ullrich) der ZEIT verliehen. Sie werden, so heißt es in der Begründung, „für ihren – in Auswahl und Kritik – kundigen Umgang mit politischer und historischer Literatur“ ausgezeichnet.