Ein Eroberungskrieg, wie er in Europa seit Hitlers Zeiten nicht geführt wurde, ist im Gange: Die Armee eines Landes, das noch ohne internationale Anerkennung ist, doch seine Grenzen selbst bestimmen will, bombardiert ein Land, dessen Unabhängigkeit gerade erst von der Völkergemeinschaft anerkannt wurde. Weil in Bosnien-Herzegowina ein Drittel der Bevölkerung Serben sind, beansprucht Serbien zwei Drittel des „Feindeslandes“. Er allein und „nicht einmal Gott“ habe hier zu bestimmen, verkündete der serbische General Kukanjac in Sarajevo – und die 25 EG-„Beobachter“ verließen den (Kriegs-)Schauplatz...

Wegschauen – ist das die Antwort der zivilisierten Welt? Nein, die Politiker reisen und reden auch – wohlgedrechselte Sätze, wo ultimative Warnung nötig wäre. Und sei es nur die mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Gefahren wittert selbst die Regierung von Jugo-Serbien: Am Dienstag legte sie das Kommando der Armee nieder. Ein Trick aus Angst oder aus Ohnmacht? Jedenfalls kein Alibi für EG und UN. Auch wenn, wie Toynbee schrieb, „Militarismus selbstmörderisch ist“, darf man ihn nicht bis zu diesem Ende morden lassen. Hj.Ste.