DIE ZEIT

Ins Herz

Es ist nicht leicht, ein Schweizer zu sein. Welche hohen Anforderungen die helvetische Demokratie stellt, mußten die eidgenössischen Stimmbürger am vergangenen Wochenende wieder einmal erfahren.

Abpfiff

Aus großer Fernseh-Not rufen wir hinauf zum Fußballgott Sepp Herberger: Die Sportschau ist tot, mitten aus dem Leben gerissen, mit 31 Jahren.

Lauscher

Wenn man sich den jahrelangen Streit um das Vermummungsverbot in Erinnerung ruft, kann man nur staunen über die Geschwindigkeit, mit der die Bonner Altparteien sich so nebenbei auf eine der massivsten Verfassungsänderungen der Nachkriegszeit verständigen wollen – auf daß sich künftig der Staat selber vermummen kann: als Lauschangreifer.

Zeitspiegel

Wer kennt Gerry Malone, Tim Smith oder Andrew Mitchell? Keiner? – Ist nicht so schlimm, denn auch den meisten politisch interessierten Briten dürften diese drei aufstrebenden konservativen Unterhausabgeordneten kein Begriff sein.

Worte der Woche

"Deutschlands Macht ist ein Problem – ebenso für die Deutschen wie für den Rest der Welt. Deutschland ist zu groß, um ein Spieler wie jeder andere im europäischen Spiel zu sein.

Große Koalition: Ausweg oder Ausflucht?

Die Politik muß wieder lernen, nicht nur über Wahrscheinlichkeiten, sondern auch über Wünschenswertes zu sprechen. Wahrscheinlich mag aus heutiger Sicht sein, daß die Kohl-Möllemann-Koalition sich bis 1994 rettet.

Ärger über den Senat in der Hauptstadt: Weg von der Mitte?

Die Parteien der großen Koalition in Berlin bereiten sich auf eine schwere Stunde vor. "Hauptstadtspaziergänge" mit Bonner Prominenz, Straßenfeste mit weitgehend unbekannten Bezirkspolitikern und aufdringliche Flugblattverteiler in Einkaufszentren können darüber kaum hinwegtäuschen.

Das Internationale Rote Kreuz ist zum Multi der Menschlichkeit geworden. Doch in Jugoslawien stoßen die Helfer an ihre Grenzen: Wo Blut und Tränen fließen

Im Bericht, den Peter Egloff an den Hauptsitz des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) nach Genf schickt, wird alles sehr nüchtern klingen: Austausch von Kriegsgefangenen und Zivilhäftlingen bei Nova Gradisca; 68 Kroaten aus Serbien in Empfang genommen, 24 Serben aus Kroatien mitgebracht; Einzelbefragungen durchgeführt.

Den Deutschen zuviel aufgehalst

BONN. – Es ist durchaus denkbar, daß Deutschland in Zukunft eine Weltmacht wird. Zur Zeit ist es das jedoch nicht. Deutschland versucht, ein Machtvakuum zu füllen, das eine zusammengebrochene Sowjetunion und ein verfallendes Amerika hinterlassen haben – aber es verfügt nicht über die Mittel.

Eine Krise des Willens

LONDON. – Für die Deutschen muß es äußerst verwirrend sein: Innerhalb weniger Wochen verwandelte sich die Sorge des Auslands über ihr neu gefundenes Selbstbewußtsein in die Meinung, sie seien eine Nation in der Krise.

Bonner Bühne: Kleine neue Welt

Auch das Abschiednehmen hat ein Ende: Am Donnerstag dieser Woche, mit der Amtsübergabe an Klaus Kinkel, ist das mehrwöchige Genscher-Festival, The Long Good-bye, endgültig beendet.

Wer macht Amerika mobil?

Miß USA hat einen Schönheitsfehler. Die 21jährige Shannon Marketic aus Kalifornien fährt einen japanischen Kleinwagen. Natürlich nicht offiziell.

Es lebe die deutsche Außenpolitik!

"Die deutsche Stimme muß lauter und gewichtiger in der Welt klingen. Das ist auch unausweichlich. Deutschland ist größer und mächtiger geworden und gehört jetzt zu den Weltmächten.

BUCH IM GESPRÄCH: Vom Umgang mit dem Chaos

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, daß das Ende von Diktaturen noch nicht den Sieg der Demokratie bringen muß. Nach dem kurzen Frühling des Glücks beginnt sich der europäische Horizont wieder zu verdunkeln.

Rechnungshof: Alarmsignal

Die Politiker haben aus dem Unmut der Bürger über Mauscheleien und Pöstchenwirtschaft nichts gelernt. Wenn Kanzler Helmut Kohl der SPD-Opposition jetzt das Präsidentenamt des Rechnungshofes anbietet, ist das aber weit mehr als nur Teil eines Pakets klammheimlicher Postenschieberei unter den Bonner Parteien.

Pflegeversicherung: Etappensieg

Die FDP ist auf dem Rückzug. In Sachen Pflegeversicherung redet niemand mehr von einem reinen Kapitaldeckungsverfahren. Das hatten die Liberalen zunächst favorisiert, um Norbert Blüms Konzept einer beitragsfinanzierten Solidarversicherung zu verhindern.

Europa bremst die Energiesteuer: Triumph der Zauderer

Darf der Kommissar nach Rio fahren? Der engagierte Italiener Carlo Ripa di Meana, bei der EG-Kommission in Brüssel für die Umweltpolitik der Europäischen Gemeinschaft zuständig, hatte sich selbst Fesseln angelegt: Nur wenn die EG mit einem wirklich überzeugenden Konzept aufwarten könne, wie sie den Energieverbrauch und die klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen der 340 Millionen Europäer begrenzen könne, lohne sich die weite Fahrt zur großen Uno-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (Unced) an der Copacabana.

Ostmieten: Preissprung

Ostmiete wird verdoppelt: Diese Schlagzeile jagte den Mietern in den neuen Bundesländern einen gehörigen Schrecken ein. Ganz so schlimm wird es aber nicht.

Bonner Kulisse

Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen sind die Finanzminister der Länder auf eine Finanzquelle gestoßen, die zwar nicht sehr kräftig sprudeln wird, aber schon aus Gründen der Steuergerechtigkeit angezapft gehört.

Maastricht

Beim EG-Gipfel im niederländischen Maastricht beschlossen die Staats- und Regierungschefs im Dezember 1991 die europäische Währungsunion.

Rudolf Engen: Formeln für Rio

Immer wenn große internationale Konferenzen anstehen, schaltet die Bundesregierung die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) in die Vorbereitungen ein.

Markt-Report: Neuer Gipfel im Visier

Auch wenn der Tarifabschluß in der Metallindustrie von verschiedenen Seiten als zu hoch bezeichnet wird, so herrscht in den Börsensälen dennoch Erleichterung.

Manager und Märkte

Monatelang ist die Berliner Treuhandanstalt mit der Entscheidung schwanger gegangen, am Dienstag dieser Woche war es dann endlich soweit: Den Zuschlag für die traditionsreichen Defa-Studios in Potsdam-Babelsberg erhält die französische Compagnie Generale des Eaux (CGE).

Daimler-Benz: Kippt der Jäger 90, rückt die generelle Umwandlung zum Technologiekonzern in weite Ferne: Ein Riese in Nöten

Liegt Stuttgart hinter dem Mond, daß selbst wichtige Nachrichten aus Bonn dort nicht ankommen? Oder ist die weitverbreitete Meinung falsch, der Daimler-Chef Edzard Reuter sei ein politisch stets gut informierter Manager? Noch am Abend des vergangenen Montags, an dem alle Morgenzeitungen in breiter Aufmachung gemeldet hatten, der neue Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) habe das umstrittene Kampfflugzeug Jäger 90 von der Wunschliste der Bundesregierung gestrichen, tat Reuter so, als sei sein Name Hase: "Wir wissen nichts von irgendwelchen Entscheidungen.

+ Weitere Artikel anzeigen