Wie viele Papas braucht ein schwedisches Mädchen, das Else-Marie heißt, sieben Jahre alt ist und während der Woche allein mit seiner Mutter lebt? Einen für das Wochenende? Oder lieber sieben, so viele, wie die Woche Tage hat? Man bleibt angenehm verwirrt, wenn man diese verblüffende, irritierende Bildergeschichte angeschaut hat, die im Zwischenreich von Phantasie und Wirklichkeit spielt und doch ganz realistisch daherkommt.

In Else-Maries Leben ist nichts ungewöhnlich. Ihre Mutter bringt sie in die Schule, holt sie nach der Arbeit vom Tagesheim ab; ihr Vater ist Vertreter für Telephone, doch ob überhaupt ein Papa existiert – wer weiß? Sie ist viel allein und träumt – den Traum einer Else-Marie, die sieben kleine Papas hat, nicht nur „Einen Großen“ wie all die anderen Kinder, sondern gleich sieben, klein wie die Zwerge. Wenn sie abends im Bett liegt, blättert sie nicht mehr einsam im „Kleinen Prinzen“, sondern bekommt das Buch von sieben Papas vorgelesen. Am Freitagmorgen – ihrem Bürotag – warten sie stöhnend vor der Toilette, wenn Else-Marie mal wieder das Klo blockiert, oder hocken verschlafen muffig vor ihren Frühstücksbrötchen.

Else-Marie ist nicht länger das kleine Mädchen, das sich sehnlichst einen Papa zum Vorzeigen wünscht, sie ist groß und mächtig wie Gulliver in Liliput und wird von sieben Winzlingen umsorgt wie Schneewittchen von den Zwergen. Doch dann droht das Schreckliche: Die sieben Papas sollen sie vom Tagesheim abholen! Ihr wohlbehüteter Traum droht zum öffentlichen Alptraum zu werden.

Es kommt, soviel sei verraten, ganz anders. Und so bleibt die Welt – von Pija Lindenbaum akkurat sinnlich ausgemalt und warmherzig beschrieben – so verwirrend schön wie im richtigen Leben. Nur eines unterscheidet Else-Marie von allen anderen Kindern: sieben Papas, die so klein sind, daß sie ihr Gott sei Dank nie weglaufen können. Hubertus Rabe

  • Pija Lindenbaum:

Else-Marie und die kleinen Papas

Aus dem Schwedischen von Senta Kapoun; Verlag St. Gabriel, Mödling-Wien 1992; 32 S., 22,80 DM