Regierungen sind wichtig in der Außenpolitik – Auswärtige Ämter, staatliche Stellen, offizielle Beziehungen. Aber ohne ein Unterfutter gesellschaftlicher und menschlicher Kontakte bleibt alle Diplomatie Stückwerk. Nirgends ist dies seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges so deutlich geworden wie im deutsch-amerikanischen Verhältnis.

Ohne die „Atlantik-Brücke“, die vor vierzig Jahren von einem Häuflein Hamburger Bürger gegründet wurde – darunter Erik Blumenfeld, Marion Gräfin Dönhoff, Ernst Friedländer, Eric Warburg –, wären im Auf und Ab der Beziehungen mancher Zwist und mancher Zusammenprall weit weniger glimpflich abgelaufen.

Das deutsch-amerikanische Verhältnis war stets in Ordnung, wenn zwischen Ost und West Spannung herrschte. Aber die Differenzen nahmen zu, sobald die Spannung nachließ – und Entspannung als politische Strategie war zwischen Washington und Bonn oft genug umstritten.

Hinzu traten bald wirtschaftspolitische Rivalitäten, die zwischen den Partnern Schwierigkeiten aufwarfen. Auch war das Zusammenwachsen Europas in der EG den Amerikanern, sosehr sie in der Theorie dafür waren, in der Praxis immer wieder ein Dorn im Auge. Da traf es sich gut, daß der in der Atlantik-Brücke versammelte nichtamtliche Sachverstand Fakten klären, Mißverständnisse aufhellen, Interessenkonflikte mildern konnte.

Vorige Woche feierte die Atlantik-Brücke in Hamburg ihr vierzigjähriges Bestehen. Festredner waren Henry Kissinger, der Träger des Eric M. Warburg-Preises 1992, Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher. Ihre Darlegungen spiegelten die grundstürzende Verwandlung der Welt wider, die sich in den vergangenen drei Jahren vollzogen hat. Alle teilten sie die Ansicht, daß diese historische Wende ohne das feste Zusammengehen und Zusammenstehen Amerikas und Deutschlands schwerlich möglich gewesen wäre. Alle aber trafen sich auch in ihrer Einschätzung, daß ohne die deutsch-amerikanische, ohne europäisch-amerikanische Partnerschaft die Herausforderungen der Zukunft kaum zu bewältigen seien.

Die Rolle der Atlantik-Brücke wird in den letzten Jahren unseres Jahrhunderts in der Tat eher noch wichtiger – ebenso wie die ihres amerikanischen Gegenstücks, des gleichaltrigen American Council on Germany. Die alle zwei Jahre abgehaltenen Konferenzen, die Workshops und die Schüleraustauschprojekte, die Young-Leaders-Begegnungen – in einer beispiellosen weltgeschichtlichen Umbruchphase dient ihre Arbeit der transatlantischen Standortvermessung und Zielbestimmung.

Sie sorgt dafür, daß das menschliche und gesellschaftliche Unterfutter der Politik nicht zu dünn wird. Auch bietet sie Deutschen und Amerikanern Gelegenheit, sich ihrer vielberufenen Wertegemeinschaft neu zu vergewissern. Th. S.