Der Pressesprecher der Hamburger Polizei hat gesagt: „Das Thema ist sehr sensibel.“ Wem sagt er das! Wir jedenfalls, dankbar für den Pluralis majestatis, halten uns, obwohl das Redaktionsthermometer bereits Fahrenheit anzeigt und die redaktionsinterne Schwüle bei ca. 180 Prozent relativer Gedankenfeuchtigkeit den gefürchteten Staupunkt erreicht hat, bedeckt. Soll heißen: Autor dieser Glosse (männl.) trägt Hemd (den obersten Knopf geöffnet), Hose (geschlossen), Socken und Schuhe. Insofern ist alles okay.

Aber: Auch der Redakteur (männl.) ist nur ein Mensch, und die Anmerkung des Polizeisprechers, nackt auf einer Wiese im Stadtpark zu liegen sei angängig, nackt auf einer Bank in der Mönckebergstraße zu sitzen hingegen nicht, hat uns in etwas gestürzt, was Nachdenken nur bei äußerstem Wohlwollen genannt werden kann. Eher sind es Bilder von Brüsten, Schultern, Schenkeln (weibl.) etc.

„Nacktheit“, sagt arglos der Polizeisprecher, „ist keine Straftat.“ Eben! Die rosafarbenen Leiber auf den grünen Stadtparkwiesen sehen aus wie Verwundete, denen Mitleid gebührt, und die Vielfalt der Formen läßt die Frage zu, wie weit der Artenschutz eigentlich noch gehen soll.

Hingegen die Mönckebergstraße (in Sichtweite d. Red.)! Diese enthüllende Attacke durch Verhüllung, dieses entbergende Verbergen, diese gierige Keuschheit, diese scheue Prostitution von Reizen, diese gleichgültig routinierte Verlockung – wem gilt das? Genug.

Das Thema ist sehr sensibel. Die Hitze ist sehr groß. Der Wille ist sehr stark. Daran fehlt es nicht. Aber wenn schon die Polizei mit dem Problem befaßt wird, wie viele Nackte das Stadtparkbad verträgt („Wir wollen, daß sich alle wohlfühlen“, sagt der Pächter), dann sollte sie sich mit der viel dringenderen Frage befassen, wie viele Nichtnackte die Mönckebergstraße verträgt.

Derart viele Versprechungen können nie im Leben eingelöst werden, so viele Verheißungen kennt nicht einmal das Hohelied. Es muß sich, murmelt der Redakteur, um ein gigantisches Betrugsmanöver handeln, um Vortäuschung falscher Tatsachen. Wie gut, daß ihn das alles kaltläßt, summt der Redakteur, wie schön, daß er seine Arbeit hat. Klar liegt der Weg vor ihm. Er zieht sich aus. Finis