Der Duft der großen weiten Welt – nun endlich steckt er in der Flasche: „unaufdringlich und diskret, elegant und luxuriös“, einfach so, wie es uns entspricht. Nein, nicht Fidji ist gemeint, nicht Roma, Paris oder Rive Gauche, nicht schwüle Schwere wie im knisternden Dschungel, nicht prickelnde Atmosphäre wie in einer brodelnden Weltstadt. „Moderne, aufregende und elegante Atmosphäre“ verströmt das wohlriechende Wunderwässerchen und „Persönlichkeit, die der Individualität Raum läßt“. Natürlich kommt nicht Krethi und Plethi an die Duftmarke, die Exklusivität verbreitet; gleichsam im Schlafe nur ist das Besondere zu erringen, denn allein Gästen einer Luxushotelkette „wird mit dem Duft ein Stück ganz besonderer Lebensart mit auf den Weg gegeben“. Sein Name – L’Eau De Parfüm Kempinski.

Nun, wir wissen, die großen wie die kleinen Häuser trachten eifrig danach, sich im Gedächtnis ihrer Kunden einzunisten. Daß diese die Erinnerungen an gastliche Herbergen täglich daheim hochhalten, indem sie sich mit geklauten Handtüchern der Marke „Hilton“ die Hände abtrocknen und zum silbernen Kaviarlöffel greifen, der einst vom „Vier Jahreszeiten“ allein für den Gebrauch im Restaurant gekauft wurde, sehen die Hotelliers verständlicherweise nicht so gern. Darum halten sie dies und das zum Kaufe feil: schlichte weiße Bademäntel zur allfälligen Erinnerung beim heimischen Saunagang, Aschenbecherchen mit deutlichem Signet, das für Freunde die Weitläufigkeit des Besitzers markiert und uns bei jeder Zigarette die Stätte zurückruft, wo wir für teures Geld umhegt wurden.

Wir kennen die Tricks, mit denen die Herbergen versuchen, uns an sie zu fesseln: die Glückwunschkarte, die uns zum Geburtstag vom Hotel „Sonne“ ins Haus flattert; der freundliche Brief vom „Sporthotel“, der die Preise für die Golfwochen im Sommer verkündet; die Flasche mit dem Hausschnaps unseres Ferienhotels, deren Aufdruck uns bei jedem Schluck indirekt auffordert, mal wieder ein Wochenende im Bayerischen Wald zu verbringen.

Und nun das Parfüm. Der uralte Zauber, das magische Mittel, Vergangenes heraufzubeschwören. „Erwartungen, Gefühle und Erinnerungen“ teilt uns der Pressetext mit, „dies sind die Assoziationen, die mit der neuen Duftnote geweckt werden“, und „retro-modern“, was immer wir uns drunter vorstellen, sei die Komposition – „eine Mischung von Tradition und Fortschritt“, ganz Spiegelbild der Kempinski-Häuser. Ein blumiges, würziges Duftbouquet der Jahrhundertwende mit einem Schuß moderner Frische. Mandarinen und Magnolien, Iris und Jasmin, Ylang Ylang, Extrakte edler Hölzer und ein Hauch Himbeere. Wenn das nicht den stärksten Mann umhaut.

Der wird denn wohl auch die neue Création kaufen, die gedacht ist als „anspruchsvolle Geschenkidee für Kempinski-Hotelgäste“, denn weder im Warenhaus noch in der Parfümerie ist das Duftwasser, „eindeutig im Luxusbereich positioniert“, zu erwerben, sondern eben nur bei Kempinskis. Exklusivität, wir wissen es, hat ihren Preis. Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. 89 Mark kosten 30 Milliliter. Nicht gerechnet die Übernachtung, mindestens ab 330 Mark fürs Doppelzimmer.

Monika Putschögl