Wie wehrt man sich gegen allgemeines Wohlwollen? Wie kämpft man gegen nachsichtige Freundlichkeit und sanftironische Toleranz? Niemand würde heute noch leugnen, daß – wie es in Reden und Bekenntnissen immer heißt – "die Rolle der Frauen an den Hochschulen gestärkt und ausgebaut werden muß". Aber trotzdem ändert sich in der Realität wenig. Diesen Eindruck verbreitete einmal mehr die vierte Bundeskonferenz der Frauenbeauftragten an Hochschulen Ende Mai in Bonn.

Etwa 200 Frauen waren zusammengekommen, um laut Tagesordnung über die frauenfördernde Wirkung des Hochschulsonderprogramms II und das Hochschulerneuerungsprogramm für die neuen Bundesländer zu diskutieren, um Bundes- und Landessprecherinnen zu wählen – und um sich schließlich in der lähmenden Diskussion jahrzehntealter Probleme zu verstricken.

Es geht nicht recht voran mit den Frauen an den Hochschulen. Zwar ist die Zahl der Studentinnen 1991 um weitere 2 Prozent auf 41,1 Prozent gestiegen, aber je höher es nach oben geht in der Hochschullaufbahn, desto geringer wird der Frauenanteil. Nur jede zehnte Habilitation stammt von einer Frau, nur jede zwanzigste Professorenstelle wird von einer Frau besetzt, nur jede vierzigste Frau schafft es bis zu einer C4-Professur.

Um solchen Mißverhältnissen abzuhelfen, sind unter anderem auch die Ämter der Frauenbeauftragten durch Gesetz an den Hochschulen installiert worden. Aber schon hier klaffen Absicht und Realität weit auseinander. Eine Untersuchung des Bundesbildungsministeriums stellt fest: Nur an 70 Prozent der Universitäten, 55 Prozent der Fachhochschulen und 50 Prozent der sonstigen Hochschulen in den alten Bundesländern sind Frauenbeauftragte im Amt. In den neuen Bundesländern fällt die Bilanz noch dürftiger aus.

Lähmender aber als diese äußeren Umstände ist der innere Widerspruch zwischen Engagement und Hilflosigkeit. Sie, die wenigen Hochschulfrauen, die es gibt, sind selbst Bestandteil eines Systems, das sie eigentlich verändern wollen. Bezeichnend war da die Klage einer Ingenieurin, die als Frauenbeauftragte einer Fachhochschule und nahezu einzige Frau in ihrem Fach nur noch in Gremien und Kommissionen sitzen muß und deshalb nicht mehr dazu kommt, sich beruflich weiter zu qualifizieren. Bezeichnend auch die Mühe, neue Sprecherinnen für die nächste Amtsperiode zu finden. "Ich habe neben meiner Arbeit zwei kleine Kinder, um die ich mich mehr kümmern muß", wies eine Professorin das Amt zurück, das doch schließlich auch dazu dienen soll, Hochschulfrauen mit kleinen Kindern mehr Freiraum für den Beruf zu verschaffen.

Ähnliche und noch zusätzliche Probleme haben die Frauen aus den neuen Bundesländern. Sie müssen gegen eine gefährliche Tendenz angehen: Zwar gibt es im Osten deutlich mehr Frauen im technischen Bereich als im Westen. Doch sie verzichten neuerdings oft bewußt auf eine Habilitation, weil sie dann in einen Bereich vorstoßen, der längst von Männern okkupiert worden ist, fast keine Berufschance mehr haben. "Es ist zu spät", meinte eine Ingenieurin aus Chemnitz, "die Männer haben längst alle Posten unter sich verteilt." Welche Zukunft hat bei solchen Schwierigkeiten das Amt von Frauenbeauftragten an Hochschulen überhaupt? Niemand wagte in Bonn, diese Frage zu stellen. Sabine Etzold