Von Heinz Josef Herbort

Da reist der Chef eines der bedeutendsten Klavierbau-Unternehmen der westlichen Welt nach Budapest, besichtigt im Nationalmuseum ein Instrument, das einer seiner Vorgänger vor fast 175 Jahren verschenkt hat, finanziert zum Preis eines neuen die Restaurierung des alten Flügels – unter der Bedingung, das der noch einmal am Herstellungsort London ausgestellt und gespielt werden darf.

Da läßt ein Konzern, der sein Geld mit Vermietung und Verpachtung, Beleuchtung, Versicherung, Elektronik und Musikproduktion verdient, einen Spezialcontainer bauen, damit das Instrument die Reise sicher und unbeschadet übersteht.

Da findet schließlich ein Musikmanagement schnell heraus, daß der London-Besuch ausgebaut werden und eine Konzerttournee ein bißchen abwerfen könnte für einen gemeinnützigen Zweck: Eine Beethoven-Stiftung für taube Kinder, ein „Save the Children“-Programm, eine Hilfsorganisation für geistig behinderte Jugendliche und ein Unterstützungsfonds für Krankenschwestern in der Krebsbehandlung werden sich den Erlös der Tournee teilen, der sich noch vergrößern wird, wenn die im Rahmen der Tournee gemachten Plattenaufnahmen in den Markt kommen.

Was interessiert uns heute an diesem eindreiviertel Jahrhunderte alten Instrument?

Bis ins Jahr 1803 hatte Ludwig van Beethoven ein Fortepiano aus der Manufaktur des Wieners Gabriel Anton Walter in Gebrauch, wie es auch Mozart und Schubert oder der Etüden-Hersteller Czerny schätzten. Zwanzig seiner Klaviersonaten, zwei Variationsreihen und drei Konzerte verraten auf der Basis dieses Instruments den technischen Standard und damit einen wesentlichen Teil des künstlerischen Anspruchs jener Zeit.

Aber dann beehrte sich der berühmte Sebastien Erard aus Paris, dem Meister eines seiner neuen, nunmehr fünfeinhalb Oktaven umfassenden Klaviere zu schenken – und bald schon steckten in der „Waldstein“-Sonate wie in der „Appassionata“ neue und ungeahnte Effekte, die nur auf dem mit einem vierfachen Pedal ausgestatteten Gerät zu reproduzieren waren.