Von Dirk Kurbjuweit

Schon dröhnen die Trommeln der Lobbyisten. Am Dienstag hat der neue Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) sein Konzept einer zweiten Gesundheitsreform vorgestellt. Und prompt fiel die vereinte Medizinbranche über ihn her, verstärkt von Gewerkschaften und Sozialdemokraten. Alle gegen Seehofer und einer gegen den anderen: Sparen ja, aber bitte nicht bei meiner Klientel.

Dabei hat Seehofer auch Lob verdient, jedenfalls für Schnelligkeit. Was seine Vorgängerin Gerda Hasselfeldt in gut einem Jahr nicht zustande brachte, schaffte der neue Mann in vier Wochen. Es war auch höchste Zeit für einen Sparplan. Die Wirkung der Reform zur Dämpfung der Gesundheitskosten, die am 1. Januar 1989 in Kraft trat, ist verpufft. Die Krankenkassen erwarten in diesem Jahr ein Defizit von mindestens zehn Milliarden Mark. Wird nicht rasch gehandelt, steigen die Beiträge bald von durchschnittlich 12,5 auf über 13 Prozent.

Arbeitsminister Norbert Blüm, damals für die Krankenversicherung zuständig, versäumte bei der ersten Reform, die festgebackenen Strukturen des Gesundheitswesens aufzubrechen. Statt dessen schob er die Belastung von einem zum anderen. Die Patienten waren die Dummen. Leider könnten sie es nun erneut sein.

Um die Beiträge stabil zu halten, will Seehofer von 1991 an jährlich rund 11 Milliarden Mark einsammeln:

Patienten tragen davon 3,2 Milliarden Mark, weil der Eigenanteil bei Zahnersatz, Krankenhaus und Medikamenten weiter steigt. Arme sind von diesen Zuzahlungen befreit.

Krankenhäuser werden mit 3,3 Milliarden Mark zur Kasse gebeten. Ihre Ausgaben dürfen künftig nur noch im Gleichschritt mit dem Grundlohn steigen.