Von Jan Feddersen

Mit dem Spiel der Schweden gegen die Franzosen wird am kommenden Mittwoch im frisch eingezäunten Stockholmer Rasunda-Stadion die Finalrunde der neunten Fußball-Europameisterschaft beginnen. Im Gefolge der acht Mannschaften und ihrer Anhängerschaft rüstet wie üblich zur Endrunde auch jene Truppe für den Trip in den Norden, die aus solchen Anlässen stets ihr eigenes Fest zu machen versteht: die Mannschaft der „Hooligans“, im Polizeijargon: „das gewaltbereite Potential“.

Während die Schweden die Organisation der fünfzehn Begegnungen bis zum Endspiel am 26. Juni in Göteborg seit Monaten bis ins Detail geplant haben, sehen sie der Gefahr möglicher Krawalle durch den ungeliebten Troß der Fußballszene mit fröhlicher Gelassenheit entgegen – getragen offenbar von großem Zutrauen zur „Weite der schwedischen Natur“ (eine Mitarbeiterin des schwedischen Fußballverbandes).

„Wir freuen uns auf schöne Spiele in einem schönen Land“, sagt Lars-Ake Lagrell, der Präsident des schwedischen Fußballverbandes, „und wir erwarten nicht, daß Randalierer uns gefährlich werden.“ Schweden sei ein freundliches Land. „Vänliga spei, vanliga metoder“ – ein freundliches Spielchen mit ganz normalen Vorkehrungen haben die Schweden sich dementsprechend als Motto gewählt.

Gleichwohl haben sich Vertreter der Sicherheitsbehörden des Landes in den vergangenen vier Jahren bei Fußball-Großereignissen in Europa eifrig Notizen gemacht. Lennart Petersson vom Stockholmer Reichspolizeiamt vertraut der Vorarbeit seiner Stäbe: „Wir haben geguckt, wie der harte Kern von Hooligans sich seiner Mitläufer versichert.“ Anders als zuletzt die Deutschen bei der EM-Endrunde in der Bundesrepublik wollen die Schweden nicht auf massive Polizeipräsenz setzen. Was auch schwierig wäre, denn nur 4600 Beamte stehen den Behörden zur Verfügung.

Trotz guter Zusammenarbeit mit deutschen, niederländischen und britischen Behörden, zum Beispiel der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze im Landeskriminalamt in Düsseldorf, gibt es über die „Reisepläne“ der Hooligans keine Gewißheit. Wie viele von ihnen – vor allem aus Deutschland, den Niederlanden, England und Schottland – hier ihr eigenes Spiel spielen wollen, wissen die Organisatoren sowenig wie das Reichspolizeiamt oder selbst die mit der Szene vertrauten Fanbetreuer. „Wir können das überhaupt nicht einschätzen“, sagt Thomas Schneider, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in der Bundesrepublik.

Entsprechend locker bereitet sich im mittelschwedischen Norrköping, „in the middle of nowhere“, wie die Zeitschrift Fan Treff ihrer Leserschaft den Ort vorstellte, wo die deutsche Elf zwei ihrer Spiele bestreiten wird, ein fünfköpfiger Stab auf die „dritte Halbzeit“, also die mögliche Hooligan-Randale, rund um die Spiele vor. „Wir erwarten Gäste, keine Störer“, sagt Lennart Andersson, Koordinator des Zeltlagers in Norrköping, wo die jungen Fußballfans Unterkunft und Unterhaltung finden sollen. 150 000 Mark, umgerechnet, standen ihm zur Verfügung, das idyllisch am Motala-Fluß gelegene Plätzchen als Herberge für Hooligans aufzubereiten.