In einem der Texte Wolfgang Wengers heißt es: „kein wort ergibt das andere, keine geschichte läßt sich zu ende erzählen, ein leben in ansätzen.“ Sollte das programmatisch gemeint sein? Als Art selbstrechtfertigendes Motto für experimentelle Literatur, für ein Schreiben in Ansätzen? An die Usancen der Experimentellen erinnern diese sieben Kurztexte in dem neuen Prosaband „die gleichgültigkeit der wüstenbewohner“ (Residenz Verlag, Salzburg 1991; 124 S., 32, – DM) freilich nur durch ihre trotzig durchgehaltene Kleinschreibung, ansonst sind sie alles andere als experimentell, risikofreudig, herausfordernd: Sie sind nüchtern, phantasielos, anämisch. Ganz gleich, ob es sich um eine Hiroshima-Collage, eine Umweltkatastrophe, eine Erinnerung an den Vater oder ein psychiatrisches Bulletin handelt: Nie traut sich der junge oberösterreichische Autor über basale Kurzsätze und mikroskopische Sachverhaltsdarstellungen hinaus, die er entweder staccatomäßig herunterhechelt oder zu endlosen Satzgirlanden zusammendrechselt. Stets bleibt der Eindruck, als übe sich hier einer an Deskriptionen, zirkle eine Etüdenprosa aufs Papier, absolviere literarisches Trockentraining – nie kommt ein Erzählfluß auf, eine Bewegung, ein wenig Schwung. Gerald Schmickl