An der Börse haben sich die Frühlingsgefühle fürs erste ausgelebt. „Der Markt ebnet sich ein“, sagen die optimistischen Händler. „Der Markt verstopft“, erklären die Pessimisten. Die Kurse bröckeln in Frankfurt. Dennoch loben die meisten Analysten und Praktiker die positive Stimmung.

Viele wundern sich, daß Frühinformationen oder -gerüchte nicht wirken: Daß Daimler auf den angeblich auf Jahre ausverkauften Sportwagen SL Rabatte von zehn Prozent geben soll, stört niemanden. Daimler bleibt stark, auch wenn das Jäger-90-Risiko Reuters Konzernstrategie gefährdet. Das Parkett macht mit, wenn es bergauf geht an der Börse, wartet aber auf den Auslöser einer „richtigen“ Konsolidierung. 4,3 Prozent, gemessen am Dax-Index, hat die Börse im Mai zugelegt, von 1728,29 Dax-Punkten am ersten Handelstag auf 1803,22 Zähler am letzten. Die meisten Händler würden sich wohl fühlen, wenn der Dax auf 1750 oder wenigstens 1760 Punkte zurückfiele.

Eine Zinserhöhung der Bundesbank, denken Händler laut nach, wäre ein Auslöser für eine solche Konsolidierung. Aber sie glauben nicht an eine Zinserhöhung. Genauso unwahrscheinlich erscheint eine Entscheidung über die Zinsabschlagsteuer nach dem Geschmack der SPD-Mehrheit im Bundesrat mit ähnlicher Wirkung.

Die Börse scheint derzeit zum Aufschwung verurteilt. Und es gibt Gründe dafür. Die Dividendenausschüttungen dieser Wochen treiben den Dax definitionsgemäß eher nach oben, weil er ein Performance-Index ist. Außerdem erhöhen die Dividenden den Anlagebedarf. Zudem wird die Börse bald vorwegnehmen, daß Mitte des Jahres die Ergänzungsabgabe wegfällt, der private Verbrauch also voraussichtlich stimuliert wird. Die Bundesbank könnte zudem bald Zinssenkungsspielraum sehen. Außerdem gehen Optimisten davon aus, daß die Unternehmensgewinne im nächsten Jahr im Schnitt sehr viel stärker wachsen, als dies in diesem Jahr mit voraussichtlich rund vier Prozent der Fall sein wird.

Und schließlich: Die deutsche Börse hat Nachholbedarf etwa gegenüber der amerikanischen und französischen. Die nächsten Tage sind also Tage grundsätzlich freudiger Hoffnung. Bange Unruhe gibt es nur, weil die ersehnte Konsolidierung nicht kommt. M. B.