Die Schildbürger hätten sich die Streiche nicht besser ausdenken können. Der erste: Das Bundeskabinett wird geteilt; die einen Ministerien dürfen (oder müssen) nach Berlin, die anderen müssen (oder dürfen) in Bonn bleiben. Statt an Gesetzen, Erlassen, politischen Strategien und Intrigen zu werkeln, wird der halbe Regierungs- und Parlamentsapparat ständig auf Reisen sein, um an ressortübergreifenden Konferenzen, Ausschuß- und Plenartagungen von Bundesrat und Bundestag teilzunehmen. Alle werden es der Regierung danken – die Möbelspediteure, die Lufthansa, die notleidende Bahn, das auf Spesengelder erpichte Gastgewerbe.

Dem ersten Streich folgt der zweite dann sogleich: Weil Berlin nicht zu gut und Bonn nicht zu schlecht behandelt werden soll, müssen Staatsdiener zum Ausgleich in Gegenrichtung umziehen. Und wenn Berlin und Bonn sich an Beamten laben, wollen die anderen auch was haben. So bekommt manche ostdeutsche Stadt ihre Behörde oder ihr Gericht. Nicht immer wechselt das ganze Amt, mal sind es nur Abteilungen – die Teilung wird durch Teile überwunden.

Auch in märchenhafter Zeit ist es den Schildbürgern nicht gelungen, mit Hilfe von Säcken Licht in finstere Amtsstuben zu bringen, um sie zu erleuchten. Noch heute mangelt es an Erleuchtung. Das ist die einzige Erklärung für derart unsinnige und kostspielige Umzugspläne. whz