Von Martin Merz

Zwar gehört die Theologie an deutschen Universitäten zu den klassischen Fakultäten, aber daß „göttliche Offenbarung“ zu ihrer Erforschung staatlicher Mittel bedarf, ist schon kurios. Und daß die Kirchen als außeruniversitäre Institutionen personell und inhaltlich Mitsprache reklamieren, scheint anachronistisch.

Mit einer gewissen Regelmäßigkeit geraten deshalb die Theologen, evangelische wie katholische, unter Rechtfertigungsdruck. Mal von außen: Kirchenferne Kritiker stoßen sich am kirchlichen Privileg wie an den „nichtwissenschaftlichen“ Grundlagen der Theologie; mal von innen: In den Konfessionen wächst die Skepsis über eine akademisch verkopfte, profanen Methoden verpflichtete, zu liberale, aufgeklärte Rede von Gott.

Vor Jahren hat die evangelische Theologie, von ihrer Kirche weniger abhängig als die katholische, den Angriff evangelikaler Schwaben auf die universitäre Liberalität abgewehrt. Derzeit sieht sich die katholische Theologie bedrängt. Vorerst mehr durch ein untergründiges Rumoren als durch eine klare Front. Aber die Verteidigungslinien sind bezogen. Ende vergangenen Jahres veröffentlichte die Tübinger Fakultät eine Theologische Quartalsschrift, die sich ausschließlich der Rechtfertigung der „Theologie an der Universität“ widmet.

Kirchliche Privilegien

Dabei erhebt sich eine kritische Stimme aus der Mitte der Tübinger Fakultät. Der Priester und Professor für praktische Theologie Norbert Greinacher sägt kräftig an dem Ast, auf dem er und seine Kollegen sitzen. Die Eingriffe des Lehramtes, der Bischöfe und der römischen Zentrale machten, so Greinacher, „die Theologie als Wissenschaft suspekt“ und stellten sie „unter den Verdacht der Gebrauchsideologie der Organisation, die Inhalt und Kontrollinstanz der Theologie ist“.

Greinacher sieht sich unter zunehmendem Druck der Professoren anderer Fakultäten. Die seien fassungslos über die Einmischung Roms bei Berufungen. Unerträglich sei, wenn der Kultusminister auf Intervention der Kirche einen Theologen aus der Fakultät entfernen müsse, wie im Fall Küng geschehen, dem spektakulärsten von vier Tübinger Fällen von Lehrbeanstandung seit 1980. Greinachers Vorschlag ist, nach angelsächsischem Vorbild an den Universitäten das Fach Religionswissenschaft einzurichten, in dem Wissenschaftler verschiedener Bekenntnisse das Phänomen Religion erforschen. Theologien als Lehren der Kirchen gehörten an private Hochschulen.