Von Robert Leicht

Hohe Sterne fallen tief. Oskar Lafontaine war einmal eine der auffallenden politischen Begabungen der alten Bundesrepublik. Nun aber ist der Glanz dahin.

Erst, als Kanzlerkandidat, verkannte er die Unausweichlichkeit des deutschen Einigungsprozesses. Dann verhob er sich beim Versuch, seiner Partei auch nach der Einheit einen rein konfrontativen Oppositionskurs zu verordnen. Und nun hat er dem relativen Machtverlust den absoluten Gesichtsverlust hinzugefügt.

Der Höhenflug des politischen Brandt-Enkels ist mit der Saarbrücker Versorgungsaffäre abrupt beendet. Und das großväterliche Wort aus dem Jahr 1983 wird auf ungeahnte Weise wahr: "Den Oskar können Sie für Bonn vergessen. Der wird unser Strauß des Saarlandes."

Daß Lafontaine nun gut 100 000 Mark für einen guten Zweck stiften will, war als Entlastungsmanöver geplant, wirkt aber erst einmal als Eingeständnis eines schlechten Gewissens. In der Tat gingen in Saarbrücken mehrere Dinge nicht mit rechten Dingen zu.

Zum ersten: Wenn ein Oberbürgermeister, ein Wahlbeamter also, aus freien Stücken aus dem Amt scheidet, so stehen ihm keine Versorgungsbezüge zu. In Saarbrücken freilich mißbrauchte man in aberwitziger Interpretation das Landes-Ministergesetz dazu, zum gegenteiligen Ergebnis zu kommen.

Zum zweiten: Noch als Lafontaine Ministerpräsident geworden war, galt im Saarland die klare Regel, wonach Bezüge aus verschiedenen Amtsverhältnissen vollständig aufeinander anzurechnen waren. Lafontaine hatte also – von den Abgeordnetendiäten abgesehen – zunächst nur Anspruch auf das Amtsgehalt des Ministerpräsidenten; daß er sich einen beachtlichen Teil davon nicht als bloßes aktuelles Gehalt, sondern – 42 Jahre alt – bereits als lebenslang garantierte Pension auszahlen ließ, war der erste unbillige Vorteil