ZEIT: Professor Meadows, vor zwanzig Jahren haben Sie Ihren ersten alarmierenden Bericht über die Zukunft der Menschheit geschrieben. Haben Sie den Eindruck, daß Manager und Politiker, Arbeitnehmer und Familien Ihre Warnung verstanden haben? Hat sich seither irgend etwas geändert?

Meadows: Viele Dinge haben sich verändert. Vor zwanzig Jahren hatten wir zum Beispiel große Schwierigkeiten, überhaupt verständlich zu machen, daß Wirtschaftswachstum das Überleben der Menschen auf der Erde bedroht. Inzwischen gibt es darüber gar keine Diskussion mehr, jede Zeitung berichtet von dieser Bedrohung. Außerdem wird heute eine Unmenge von Fakten zur ökologischen Situation auf der Erde gesammelt. Vor zwanzig Jahren war es für uns noch fast unmöglich, an das statistische Material zu kommen.

ZEIT: Der Weg ins Verderben ist mit mehr Warnhinweisen gepflastert.

Meadows: Unglücklicherweise hat sich der Wachstumsfetischismus selbst noch nicht geändert. Als wir für unser neues Buch recherchierten, fanden wir heraus, daß sich Bevölkerung, Industrie, Konsumgewohnheiten, Rohstoffausbeutung und Umweltverschmutzung genauso katastrophal entwickelt haben, wie wir es prognostizierten. Wir behaupteten 1972, daß das Wachstum in den nächsten sechzig Jahren gestoppt sein wird, entweder weil die Menschen die Probleme dieses Wachstums vorhersehen und es deshalb beenden oder weil sie diese Schwierigkeiten ignorieren und alles zusammenbricht. Jetzt ist ein Drittel dieser Zeit um – und noch hat sich nichts getan. Im Gegenteil: Alles ist schlimmer geworden.

ZEIT: Trotzdem glauben Sie, daß die Menschheit jetzt die Chance hat, diese Abwärtsspirale zu stoppen. Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Meadows: Jedes exponentielle Wachstum hat die Eigenschaft, daß man lange Zeit kaum eine Veränderung spürt. Dann ändert sich plötzlich alles unglaublich schnell, ohne daß es einen konkreten Auslöser gibt. Wir haben in den vergangenen zwanzig Jahren mit der steten Diskussion der Umweltprobleme den Grundstock für rasche Veränderungen im Bewußtsein gelegt. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir plötzlich einen enormen Fortschritt im ökologischen Denken verspüren – nicht nur bei den einzelnen Individuen, sondern auch bei den Institutionen. Das ist geradezu eine revolutionäre Situation.

ZEIT: Aber es geschieht nichts.