ZDF, Sonntag, 7. Juni, 22.55 Uhr: „Rosen für Afrika“, Fernsehfilm von Sohrab S. Saless

Sieben Jahre hat Sohrab S. Saless keinen Film mehr drehen können. In den nächsten vier Jahren wird er wieder ohne Arbeit sein, weil ihm sämtliche Drehbücher abgelehnt wurden. Pfingstsonntagnacht ist Saless’ erster Film seit sieben Jahren zu sehen: „Rosen für Afrika“. Und noch eine Zahl: Er dauert drei Stunden, bis zwei Uhr morgens. Aber schließlich kann man danach ausschlafen und sich das Unvermeidliche überlegen: Am Dienstag wird das Aufgebot abbestellt. Denn dafür garantiere ich: Führte man „Rosen für Afrika“ auf den Standesämtern vor, die Zahl der Eheschließungen würde (wie es so schön heißt:) dramatisch sinken. Bevölkerungspolitisch wäre das vielleicht ein weiterer Verlust, aber der ist leicht ausgeglichen durch den Seelenfrieden, den sich die Zuschauer damit paarweise erhalten.

Paul und Karola passen nicht zusammen. Zweimal waren ihre Eltern schon in Amerika und auch sonst schon überall, und ein Haus in Fuerteventura besitzen sie auch. Karola haben sie ein schönes Lux.-App., 30 m 2‚ Erstbez., Grg. gekauft, alles ganz neu, StahlGlasNeon, wie man das jetzt so hat. Am Kopfende, wo früher der hölzerne Bettgiebel war, glimmen vorm Einschlafen lauter bunte Lämpchen. Karola (Ursula Rosenberger) hat auch einen Freund, aber den verläßt sie, als sie im Stadtpark Paul (Silvan-Pierre Leirich) findet, den ein paar Rocker zusammengeschlagen haben. Paul ist grob, ein Kneipenstenz, der am liebsten gar nichts tut, als seiner alleinstehenden Mutter möglichst viel von ihrer Rente abzuluchsen. Er will weit, weit weg, nach Afrika. Dennoch wird Karola die seine, läßt sich die Haare anders legen und versucht, auch so grob zu reden wie er.

Paul und Karola lieben sich so sehr, daß sie zusammenziehen. Er bringt seine Karl-May-Bände mit und liest ihr manchmal traurige Liebesgeschichten vor. Es hilft aber nichts: Sie heiraten. Wenn Paul bei seiner Karola liegt in der Nacht, illuminieren die bunten Lämpchen sie beide, und Joe Cocker fleht von der CD darum, sein Herz freizugeben. Sie lieben sich so sehr, Karola und Paul, daß er sich Arbeit sucht: nicht im Betrieb ihres Vaters, sondern bei der Müllabfuhr.

Karola und Paul lieben sich so sehr, daß sie sich schlagen müssen in ihrem Überschwang. „Ist es schon zu Ende?“ fragt Karola. Aber nein, sie sind ja verheiratet. Ihrer Schwiegermutter erzählt Karola zuerst, daß sie schwanger ist: So sehr fürchtet sie sich vor Paul und seiner Sehnsucht nach Afrika. Aber wieder schlagen sie sich, Paul tritt nach dem Kind in ihrem Bauch. Später sagt er ins aufgelegte Telephon: „Das Leben ist zu ernst geworden.“

In der zweiten Hälfte, wenn sich Paul mit seiner schroffen Liebe nicht mehr Karola zuwenden kann und einen Arbeitskollegen bedrängt, läßt der Film nach, gibt er die genaue Beobachtung zugunsten einer literarischen Idee (von Ludwig Fels) auf. Bis dahin hat die Kamera erbarmungslos in die private Provinz hineingestarrt, aus der kein Weg nach Afrika führt. Fassbinder ist tot und Kroetz von Beruf nur mehr Schwiegersohn: Es gibt unter den Deutschen nur Saless, der so genau hinsieht. Sie können ihm dabei zuschauen. Pfingstsonntag. Willi Winkler